Artikel

Von der Morsetelgrafie zur digitalen Fonttechnologie Teil 8: Schriftnegativ, Bitmap-, Bytemap-, Vektorformat

Foto- und Lichtsatz [1] waren im Vergleich zum Bleisatz zwei nur sehr kurzlebige Brückentechnologien zwischen dem fotografisch erzeugten Schriftbild einerseits und der Computer Aided Typografie (CAT) andererseits. CAT basiert auf dem Computer Aided Design (CAD), das in den Konstruktionsbüros der Autoindustrie der 1950er Jahre entwickelt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Entwicklungen in- und außerhalb der Computertechnik und solche, die schon zu Beginn der Jahrhundertwende ihren Anfang nahmen, in der Entwicklung der Typografie zur digitalen Fonttechnologie virulent. Alle diese Impulse zusammengenommen gilt es mit in das Kalkül zu nehmen, um den zeitlich sehr schnell erfolgten Brückenschlag zwischen dem fotografischen Schriftbild des Fotosatzes zum CAT und schließlich zum Desktop-Publishing verstehen zu können. Wie kam es dazu?

Weiterlesen

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Die analoge Typografie: Bleilettern mit Winkelhaken und Typometer

Gutenberg hat nicht den Druck erfunden; den beherrschten die Chinesen bereits 600 Jahre vor ihm. Gutenberg hat die Typografie erfunden und dazu zählt all das, was heute in modernen Lehrbüchern, etwas geschichtsvergessen, in Mikrotypografie und Makrotypografie unterteilt wird. Seit der Erfindung Gutenbergs hat sich ein typografisches Wissen akkumuliert, das kein Verfallsdatum kennt. Die Fonttechnologie wurde durch Fotosatz, Lichtsatz, Desktop Publishing (DTP) und Web-Publishing mehrmals revolutioniert, aber die analoge Typografie Gutenbergs hat in der Digitalität der Fonttechnologie weiterhin ihre Gültigkeit behalten. Durch Maß und Zahl wurden zwar die technischen Werkzeuge der Typografie revolutioniert, nicht aber ihre grundlegenden Parameter.

Weiterlesen

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Dieser mehrteilige Blog-Beitrag zur digitalen Fonttechnologie nimmt die Technik- und Kulturgeschichte der in Schriftform verfassten Medien in den Blick. Seit der Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg hat die Mechanisierung der Buchherstellung, des Drucks von Flugblättern und der ersten Zeitungen ein zunehmendes Verbreitungsbedürfnis von schriftlich verfassten Informationen evoziert. Mit der Entdeckung und technischen Nutzung der Elektrizität werden Erfindungen wie die der Telegrafie und der ersten digitalen Computer inspiriert. Die Telegrafie, das “Internet” zur Zeit Kaiser Wilhelms II., und die Erfindung des ersten digitalen Computers in den 40iger Jahren des 20. Jahrhunderts werden zu aller erst in der Produktionstechnik der Zeitungen virulent.

Die weltweite Globalisierung, Schriftcodierung und -digitalisierung macht in wenigen Jahrzehnten den einst nur für hochspezialisierte Fachkräfte handhabbaren Blei- und Fotosatz zu einer Technologie für jedermann. Digitale Fonttechnologie gehört im 21. Jahrhundert im privaten und beruflichen Alltag zu einer meist nicht hinterfragten Computeranwendung für alle. Die unterhalb von Tastatur und Bedienoberfläche der Textverarbeitungssoftware verborgene Codierungs-, Schreib- und Rechenkultur bleibt weitgehend unentdeckt. Sie sorgen als implementierte Hard- und Software in Tablet-Computern und Smartphones für die Schreibfunktion beim Eintippen und Versenden von Texten. Und das funktioniert ganz unabhängig davon, ob sich der User der technik- und kulturgeschichtlichen Genealogie seines Tablet-Computers oder Smartphones bewusst ist, oder eben nicht. Die Teile zu diesem Blog-Beitrag laden zur technik- und kulturgeschichtlichen Entdeckung der Genealogie der digitalen Fonttechnologie ein.

Teil 1: Die Elektrifizierung des Alphabets

Teil 2: Von der Schreibmaschine zum Fernschreiber

Teil 3: Lochstreifen und Perforator übernehmen das Kommando

Teil 4: Der Hellschreiber

Teil 5: Exkurs zur Genealogie der Schrift- und Rechenkultur

Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Teil 7: Der Quantensprung vom Fotosatz zum Lichtsatz

Teil 8: Schriftnegativ, Bitmap-, Bytemap-, Vektorfont

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie Teil 5: Exkurs zur Genealogie der Schrift- und Rechenkultur

Unsere digitale Schreibkultur über Tablet und Smartphone basiert technik- und kulturgeschichtlich nicht nur auf der Genealogie des Schreibens, sondern auch des Rechnens. Ohne Rechenprozesse unterhalb der Bedienoberfläche von Tastatur und Textverarbeitungssoftware kann der geschriebene Text nicht auf dem Bildschirm erscheinen oder auf Papier ausgedruckt werden. Digitale Fonttechnologie hat sich historisch aus der Interferenz sowohl einer Schrift- als auch einer Rechenkultur entwickelt.

Weiterlesen

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie Teil 4: Der Hellschreiber

Abbildung 1: Hellschreiber von Siemens Halske Modell 24a=32 aus dem Jahre 1941
Quelle: ©2008 Frank M.G. Dörenberg, N4SPP
www.nonstopsystems.com/hell.htm

Die Abkürzung TELEX steht für TeleprinterExchange und bezeichnet den Austausch von Textnachrichten über Fernschreiber auf Telefonleitungen mittels des standardisierten Zeichensatzes nach Murray-ITA-2 (siehe Teil 3 dieses Blogbeitrags). In Deutschland lief seit 1928 ein Testbetrieb, bevor das Telex-Netz im Jahre 1933 endgültig eingeführt wurde. Mit der Erfindung des Hellschreibers durch Dr. Ing. Rudolf Hell kreuzen sich zwei bis dahin unabhängige Technologien, Faxsimile und Telex zu einer neuen Symbiose. Ein kleiner Schritt für die Telekommunikation wird zu einem ersten Schritt in eine digitale Schriftkultur. Mit dieser Bedeutung für die Geschichte der digitalen Schriftkultur blieb der Hellschreiber bisher weitgehend unbeachtet. Weiterlesen

Akzeptieren Sie bitte den Datenschutz