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Ohne Schriftguss kein Handsatz und kein Buchdruck: Der letzte Schriftgießer der Welt im Interview

Rainer Gerstenberg, der letzte kommerziell arbeitende Komplettguss-Schriftgießer der Welt, stellt zum 31. 12. 2021 seine Produktion in den Räumen des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt ein.

„Japan, ja, wenn man dann die Resonanz dort hört, dass Alt und Neu ganz normal nebeneinander arbeiten ohne in Konkurrenzkampf zu treten, und dass diese alten Gewerbe, der „Letzte seines Standes“, hochgehalten werden, und nicht sozusagen als Schuhabtreter genommen werden“. (Interview Gerstenberg 25. Oktober 2018, Minute 23:20) weiterlesen

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Mitgliederversammlung und Fachtagung des IADM 2021

Internationer Arbeitskreis Druck- und Mediengeschichte e.v.

IADM-Fachtagung und Mitgliederversammlung am 2. Oktober 2021 Online

zum Thema

Der Bucheinband : In seiner Geschichte und seiner zukünftig gestalterisch-technnologischen Entwicklung

Zeitraum der Fachtagung 10.00 Uhr bis 13:00 Uhr online

Beginn der Mitgliederversammlung: 14:30 online

Verlauf der Online-Fachtagung

Begrüßung

Dr. Harry Neß (Vorsitzender IADM)

Immaterielles Kulturerbe „Buchbinderhandwerk“ der UNESCO

Stefan Döring (Druck- und Medientechniker), Ingo Albrecht-Schoeck (Industriedesigner)

  • Beschreibung des UNESCO-Kulturerbes „Buchbinderhandwerk“.
  • Traditionelle Handwerkstechniken anhand von Einbandarbeiten.

Die Entwicklungswege des Bucheinbandes

Prof. Dr. Ernst Peter Biesalski, Peter Best (Studiendirektor a.D.)

  • Auswirkung neuer Technologien auf den Bucheinband.
  • Systematik und historische Entwicklung der Einbandformen.
  • Wiederverwendung traditioneller Einbandelemente anhand von aktuellen Bucheinbänden.

Beiträge des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zur Entwicklung des gedruckten Buches

Katharina Hesse (Geschäftsführerin „Stiftung Buchkunst“), Nora Bechler (Referentin Marktforschung)

  • Der Wettbewerb „Die schönsten Deutschen Bücher“ unter der besonderen Berücksichtigung des Bucheinbandes.
  • Neueste Erkenntnisse der Marktforschung zum Lese- und Kaufverhalten bei gedruckten Büchern und E-Books.

Anmeldung zur Tagung und zur Mitgliederversammlung bis zum 30. September 2021: entweder bei

roger230759@yahoo.de

oder 

harry.ness@druck-mediengeschichte.de  

Der notwendige Link für die Teilnahme an der Online-Jahrestagung des IADM wird an alle, die sich angemeldet haben, am 2.Okt., gegen 9.00 Uhr verschickt. (Wenn nötig, auch in den Spam-Ordner schauen.)

Wird Hilfe benötigt, bitte anrufen:

Peter Best: 0178 4351952

oder

Harry Neß: 01708654917

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Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Die analoge Typografie: Bleilettern mit Winkelhaken und Typometer

Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Gutenberg hat nicht den Druck erfunden; den beherrschten die Chinesen bereits 600 Jahre vor ihm. Gutenberg hat die Typografie erfunden und dazu zählt all das, was heute in modernen Lehrbüchern, etwas geschichtsvergessen, in Mikrotypografie und Makrotypografie unterteilt wird. Seit der Erfindung Gutenbergs hat sich ein typografisches Wissen akkumuliert, das kein Verfallsdatum kennt. Die Fonttechnologie wurde durch Fotosatz, Lichtsatz, Desktop Publishing (DTP) und Web-Publishing mehrmals revolutioniert, aber die analoge Typografie Gutenbergs hat in der Digitalität der Fonttechnologie weiterhin ihre Gültigkeit behalten. Durch Maß und Zahl wurden zwar die technischen Werkzeuge der Typografie revolutioniert, nicht aber ihre grundlegenden Parameter. weiterlesen

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In Mainz gedruckte Noten erober(te)n die Welt

Quelle: Gutenberg-Museum Mainz

Vor 250 Jahren gründete Bernhard Schott 1770, dem Geburtsjahr Ludwig van Beethovens, in Mainz den Schott-Verlag, der heute zu den ältesten und traditionsreichsten Musikverlagen der Welt zählt. Das Gutenberg-Museum präsentiert aus diesem Anlass

in der Zeit vom 16. Juli bis zum 7. November 2021 weiterlesen

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Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Teil 5: Exkurs zur Genealogie der Schrift- und Rechenkultur

Unsere digitale Schreibkultur über Tablet und Smartphone basiert technik- und kulturgeschichtlich nicht nur auf der Genealogie des Schreibens, sondern auch des Rechnens. Ohne Rechenprozesse unterhalb der Bedienoberfläche von Tastatur und Textverarbeitungssoftware kann der geschriebene Text nicht auf dem Bildschirm erscheinen oder auf Papier ausgedruckt werden. Digitale Fonttechnologie hat sich historisch aus der Interferenz sowohl einer Schrift- als auch einer Rechenkultur entwickelt. Beide sind zu materialisierter Hardware geronnen und in Software implementiert. Die Textverarbeitungsprogramme der Computer haben kulturgeschichtlich die Schriftzeichen aus der Antike adaptiert. Das Zahlensystem, die Null und die Eins, die der Computer unbemerkt vom Anwender zum Berechnen der Bildschirmanzeige nutzt, ist ursprünglich indischer Herkunft. Ohne die Akteure des frühen Humanismus, den Renaissance-Humanisten, und ihres neuen Weltbildes, zu deren Verbreitung sie die Erfindung Johannes Gutenbergs intensiv nutzten, ist die digitale Fonttechnologie undenkbar. Gutenbergs Innovation zur Vervielfältigung von Wissen und Wissenschaft gab der Beförderung der europäischen Schrift- und Rechenkultur erst den entscheidenden Impetus.

Der 5. Teil zu diesem Blog-Beitrag will mit dem Rückblick auf die Genealogie der Schrift und Rechenkultur das kulturgeschichtlich ganzheitliche Bewusstsein über die Fonttechnologie wachhalten, um sich nicht in den Fallstricken digitaler Halbbildung zu verfangen. Bildung in einer digitalen Welt erfordert mehr, als den von der Kultusministerkonferenz der Länder geforderten „(…) kompetente(n) Umgang mit digitalen Medien, die ihrerseits die traditionellen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen ergänzt und verändert.“ [1] Der Geschichtsvergessenheit eines Bildungsbegriffs, den die KMK als digitale Kompetenz in allen Schulen und Universitäten seit Ende der 90iger Jahre als Bildung propagiert, wird hier nicht das Wort geredet. Das Prinzip der Bildung ist nicht Utilitarismus. Die Akteure des Humanismus und der Aufklärung waren nicht nur die Geburtshelfer für eine Schrift- und Rechenkultur, die von ihnen initiierte geistige Wende hat auch das Bewusstsein einer umfassenden ganzheitlichen und gründlichen lebenslangen Bildung für alle Menschen hervorgebracht, wie sie im Leitgedanken des frühhumanistischen Pädagogen Jan Amos Comenius (1592–1670) seinen Ausdruck findet: Omnes omnia omnino (alle alles allumfassend; alle alles, im Hinblick auf das Ganze) zu lehren. weiterlesen

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