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Tag der Druckkunst 2021

 

Handwerkliche Druckwerkstätten, Künstler*innen, Museen, Kunstvereine, Kunsthochschulen und weitere Akteure zeigen ab 15. März 2021, dem Tag der Druckkunst, nicht nur die Kunst zu drucken, sondern hier wird auch Kunst gedruckt. (Siehe auch Blog-Beitrag Tag der Druckkunst).

Der Pandemie zum Trotz fällt der Aktionstag zur Feier der Druckkunst in diesem Jahr nicht aus. Gefeiert wird die 2018 ausgesprochene Aufnahme der Druckkunst in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes.

Die Künstlerischen Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen präsentieren am Aktionstag sich und ihre gedruckte Kunst – unter Einhaltung der durch Corona bedingten Beschränkungen – ab dem 15. März 2021 life, online oder zu späteren Terminen. Egal, die Drucktechniken mit ihrer zum Teil über 600jährigen europäischen Kulturgeschichte bleiben in der digitalisierten Welt präsent. Kreativität und Kunst, ob nun als Kunst des Druckens oder gedruckte Kunst, belebt die Tristesse des Alltags in der Pandemie und auch außerhalb. Traditionelle Drucktechniken verbinden über den Druck moderner Kunst mit alter Drucktechnik die Vergangenheit mit der Gegenwart, regen mit ihren künstlerischen Produkten zum Nachdenken und Innehalten an.

Auf der Internetseite für den Tag der Druckkunst sind für dieses Jahr etwa 185 Teilnehmer aus allen Bundesländern der Bundesrepublik für Aktionen am oder ab dem 15. März 2021 registriert. Eine Deutschlandkarte mit den Teilnehmern und eine übersichtliche Listung ihrer geplanten Aktionen erleichtert es, regionale Veranstaltungen in der Nähe zu finden oder online-Angebote zu nutzen. Unterstützung für die Künstler*innen, die Druckkunst und die gedruckte Kunst ist ein guter Beitrag für den Erhalt des kulturellen Erbes und der Künstler*innen. Gott grüß` die Kunst.

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Zeichen setzen für die Schwarze Kunst

Nach der feierlichen Unterzeichnung die Akteur*innen von links nach rechts: Dr. Jürgen Franssen, Dr. Roger Münch, Dr. Harry Ness, Dr. Annette Ludwig, Dr. Susanne Richter, Dr. Mechthild Haas und Eckehart Schumacher-Gebler .

Der „Mainzer Impuls“ wurde im Gutenberg-Museum Mainz besiegelt

Mainz. Aufmerksamkeit für den Erhalt der Gutenbergschen Technologie schaffen und das technische Know-How für zukünftige Generationen sichern, das sind die Kernziele des „Mainzer Impulses“. Denn mit der Digitalisierung des Druckwesens geht das Wissen rund um die traditionelle Drucktechnik immer mehr verloren. Es gibt nur noch wenige Fachleute, die im Stempelschnitt, im Schriftguss oder im Schriftsatz ausgebildet werden. Der „Mainzer Impuls“ fordert die Politik und alle Interessierten dazu auf, die Institutionen, die für den Erhalt der traditionellen Handwerkstechnik kämpfen, ideell, strukturell und finanziell zu fördern, damit man auch noch in 100 Jahren wie einst Gutenberg drucken kann.

Kulturpolitisches Gewicht erhält die Initiative der Direktorin des Gutenberg-Museums durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, Michael Ebling, sowie durch die Kulturdezernentin Marianne Grosse, die den „Mainzer Impuls“ heute, 30.09.2020, gemeinsam mit der Direktorin des Museums, Dr. Annette Ludwig, unterzeichnet haben. Unterstützt wird der Aufruf zur Erhaltung des Gutenbergschen Erbes durch die Vertreter*innen von Institutionen der „Schwarzen Kunst“, von denen corona-bedingt heute nur einige dabei sein und ihre Unterschrift direkt unter das Dokument setzen konnten: Dr. Susanne Richter (Direktorin des Museums für Druckkunst, Leipzig), Dr. Roger Münch (Direktor des Deutschen Zeitungsmuseums, Wadgassen), Dr. Mechthild Haas (Leiterin Graphische Sammlung mit Abteilung Schriftguss, Satz und Druckverfahren des Hessischen Landesmuseum, Darmstadt), Eckehart SchumacherGebler (Offizin Haag Drugulin, Dresden), Dr. Jürgen Franssen (1. Vorsitzender des Vereins für die Schwarze Kunst e.V., Heidelberg); Dr. Harry Ness (Vorsitzender des Internationalen Arbeitskreises für Druck- und Mediengeschichte).

Ab sofort wird der „Mainzer Impuls“ an weitere wichtige internationale Akteur*innen der Druckkunst versendet, um möglichst viele Unterstützer*innen zu aktivieren.

Mainzer Impuls

Mit der Digitalen Medienrevolution erleben wir momentan eine Zeit des Umbruchs, wie sie bereits die Zeitgenossen Gutenbergs mit der Erfindung des Buchdrucks erlebt haben. Die Digitalisierung verändert unseren Alltag in allen Lebensbereichen rasant. Auch das Handwerk Gutenbergs, also das Herstellen, Vervielfältigen und Verbreiten von Texten, ist weitgehend digitalisiert, der Computer übernimmt viele Schritte des Publizierens automatisch. Das führte dazu, dass die traditionellen handwerklichen Techniken des Buchdrucks mit beweglichen Lettern – die diese zweite digitale Medienrevolution überhaupt erst ermöglicht haben – vom Aussterben bedroht sind.

Erhalt der traditionellen Handwerks-/drucktechniken

Mit diesem Aufruf möchten das Gutenberg-Museum Mainz – als Weltmuseum der Druckkunst – und die Gutenberg-Stadt Mainz – als Wiege des europäischen Buchdrucks – auf den bevorstehenden Verlust dieser so bedeutenden Handwerkstechniken aufmerksam machen. Wir fordern den umfassenden Schutz der historischen Technologie des Buchdrucks, vom Stempelschnitt über den Schriftguss und den Bleisatz bis zum Pressendruck.

Zur Rettung der „Ingenieursleistung“ von Johannes Gutenberg braucht es möglichst viele Mitstreitende, die wir auf diesem Wege gewinnen möchten. Deshalb wendet sich dieser Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger, an die interessierte Öffentlichkeit, an Expertinnen und Experten, an Fachgremien und an Druckwerkstätten sowie an alle Institutionen, die sich dem Buchdruck verbunden fühlen. Die nationale und internationale Bedeutung des Buchdrucks erfordert ein entschlossenes und zügiges Engagement, um diese Kulturtechnik vor dem Vergessen und Verschwinden zu schützen.

Erforderliche Maßnahmen

  • Gründung einer internationalen Arche Noah für die Gutenbergsche Technik. Dort sollen die noch wenigen praktizierenden Fachleute ihr Wissen an jüngere Interessenten weitergeben, um das praktische, immaterielle Wissen lebendig zu halten. Bausteine sind europäische Bildungsprogramme, aber auch Druckwerkstätten, die die traditionellen Drucktechniken pflegen, oder das vom Gutenberg-Museum begleitete „Walz“-Programm des Vereins für die Schwarze Kunst, das Ausbildung und Tradierung des kulturellen Erbes miteinander verbindet.
  • Aufnahme des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (Gutenbergsche Technik von Stempelschnitt bis Pressendruck) in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
  • Aufnahme des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (Gutenbergsche Technik von Stempelschnitt bis Pressendruck) in die UNESCO-Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes.
  • Quantitative Erweiterung der Aus- und Weiterbildungskapazitäten an Berufs- und Hochschulen für „Medientechnologien Druck“ mit Schwerpunkt „künstlerische Druckverfahren“.
  • Verankerung der Druck- und Mediengeschichte in den Rahmenlehrplänen der Schulen und Berufsschulen.
  • Ausbau und finanzielle Stärkung der vorhandenen Netzwerke, z. B. im ERIH (European Route of Industrial Heritage).
  • Gezielte Unterstützung noch aktiver Betriebe im analogen Druckbereich und Förderung künstlerisch-handwerklich arbeitender Druckwerkstätten, zu denen auch der Druckladen des Gutenberg-Museums zählt.
  • Stärkung des Gutenberg-Museums, damit es seine Aufgabe, die zivilisatorische Bedeutung des Buchdrucks für die europäische und globale Geschichte anschaulich mit herausragenden Exponaten sowie praktisch in seinen Werkstätten einem internationalen Publikum zu vermitteln, weiterhin angemessen erfüllen kann.

Letzte Wissenszentren

Noch gibt es einige wenige Druckwerkstätten, die im Handsatz und Pressendruck Bücher herstellen und dieses Wissen auch weitervermitteln. Noch gibt es in Darmstadt eine der letzten Schriftgießereien weltweit. Und noch gibt es einen Markt für handgefertigte Schrifttypen, für Handsatz und Pressendruck. Doch diese überschaubaren traditionellen Berufe werden nur noch von wenigen Spezialistinnen und Spezialisten ausgeübt. Die authentischen Informationsquellen der Handwerksbetriebe gehen verloren, wenn diese letzten noch tätigen Fachleute in den Ruhestand gehen. Ihre Kenntnisse und Erfahrungen würden in Vergessenheit geraten, ebenso wie die zahlreichen Maschinen und Werkstatteinrichtungen, die niemand mehr bedienen oder deren Bedeutung und Funktion keiner mehr kennen könnte.

Bedeutung des Buchdrucks

Wie kaum eine Erfindung zuvor hat der Buchdruck die Welt verändert. Er beeinflusste bis ins 20. Jahrhundert, also mehr als 500 Jahre lang, weltweit wissenschaftliche, politische, gesellschaftliche, ökonomische und kulturelle Entwicklungen. Und nicht zuletzt ist er das Fundament für die Medienrevolution, die wir mit der Digitalisierung heute erleben. Über seine technische Innovation hinaus kommt dem Buchdruck daher eine grundlegende zivilisatorische Bedeutung zu, die sich auch in der Entscheidung ausdrückte, Gutenberg im Jahr 2000 in den USA zum „Man of the Millenium“ zu wählen.

Gutenberg-Museum

Diese dem Buchdruck eigene Komplexität von technischer Erfindungskraft, medialem Fortschritt sowie kulturellem und geistigem Motor prägt die Forschung sowie die Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit des Gutenberg-Museums Mainz seit seiner Gründung im Jahr 1900.

Wie kein anderes Museum widmet es sich auf nationaler wie internationaler Ebene gleichermaßen handwerklicher Tradition, technischem Knowhow, Informations- und Wissenstransfer sowie kultur- und kunsthistorischen Zeugnissen. Es befasst sich mit der Veränderung, die Bücher, ihre Inhalte, Käufer und Produzenten durch Gutenbergs Erfindung erfuhren und bietet damit einen umfassenden Überblick über eine wichtige historische Epoche europäischer Kultur- und Technikgeschichte.

Das Gutenberg-Museum mit seiner umfangreichen Sammlung von Maschinen und Objekten zu Gutenberg und seiner Erfindung, einer der größten Sammlungen ostasiatischer Druckzeugnisse außerhalb Ostasiens und zahlreichen Spezialsammlungen wie Exlibris, Miniaturbücher oder Akzidenzen arbeitet seit 120 Jahren an der Erhaltung dieses wichtigen kulturellen Erbes.

Zur Bewahrung und Vermittlung dieses Erbes dient auch die angegliederte Spezialbibliothek (Gutenberg-Bibliothek) mit Werken zu historischen Druck-und Buchherstellungstechniken sowie die zweijährlich stattfindende Minipressenmesse, die Kleinverlegern und Pressendruckern ein Forum bietet. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die praktische Vermittlung und Erforschung des Handwerks im Druckladen. Damit erzählt das Gutenberg-Museum eine Erfolgsstory, die im elektronischen Medienzeitalter unserer Tage keineswegs ihr Ende findet, sondern sich in gewandelter Form weiter fortsetzt. Demokratisierung des Zugangs zu Informationen und Wissen durch Digitalisierung ist nur einer der höchst relevanten Aspekte.

Idee zum „Mainzer Impuls“

Um diesen Prozess anzustoßen, veranstaltete das Gutenberg-Museum gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ der Humboldt Universität Berlin am 15. und 16. November 2018 in Mainz die Konferenz „Transformationen des Buchdruckes II – Haptiken“. Eine von der Direktorin des Gutenberg-Museums initiierte Podiumsdiskussion mit Dr. Susanne Richter (Direktorin Museum für Druckkunst, Leipzig), Franz Greno (Buchgestalter und Verleger), Prof. Eckehart SchumacherGebler (Druckereibesitzer, Offizin Haag-Drugulin, Dresden) und Dr. Annette Ludwig (Gutenberg-Museum) unter der Moderation von Matthias Neef (Referent, Geschäftsstelle Immaterielle Kulturerbe/Deutsche UNESCO-Kommission) thematisierte die o. g. Problematik mit dem Ziel der Formulierung eines „Mainzer Impulses“, um aus dem Gutenberg-Museum und der Gutenberg-Stadt Mainz heraus ein breites Bewusstsein dafür zu schaffen, den Fortbestand des Erbes Gutenbergs und damit einer der wichtigsten Kulturleistungen der Menschheit zu sichern.

Landeshauptstadt Mainz, 30. September 2020

Stellungnahme des IADM zum Mainzer Impuls

Als einer von neun Erstunterzeichnern unterschrieb der Vorsitzende des “Internationalen Arbeitskreise für Druck- und Mediengeschichte”, der Offenbacher Dr. Harry Neß, den “Mainzer Impuls”. Mit dieser Initiative werden nationale und internationale Repräsentanten aufgefordert, sich diesem Aufruf mit ihrer Unterschrift anschließen, um dem Verlust des Wissens und Könnens, von dem zunehmend die Drucktechniken, wie beispielsweise die des Buchdrucks bedroht sind, entgegenzuwirken.

In seinem Statement anlässlich des Erstunterzeichnertreffens mahnte Dr. Neß deshalb an, dass die bisherige alleinige Trägerschaft und Verantwortlichkeit der Stadt Mainz für das  “Weltmuseum der Druckkunst” um die des Landes und des Bundes erweitert werden muss. In diesem Sinne erwartet er, dass der Impuls durch seine vielen Mitzeichner bis zur Rheinland-Pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters, vordringt, damit diese zur Sicherung des materiellen und immateriellen Kulturerbes über Parteigrenzen hinweg zusammen mit der Stadt Mainz “ein breites Bündnis des nationalen Interesses” bilden.

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Bilderdruck als Druckkunst

Der Formschneider. Quelle: Wkipedia

An den Umstand, dass Drucken und Kunst einmal in enger Verbindung gestanden haben, daran erinnert das heute noch weithin bekannten Synonym für „Drucken“ als „Schwarze Kunst“. Hinzu kommt die Erinnerung an die seit 1740 verbriefte Begrüßung der Zunftgenossen der Buchdrucker-, Schriftsetzer und Lithografen mit „Gott grüß‘ die Kunst“, auf den mit „Gott grüße sie“ zu antworten war. Mit der „Schwarzen Kunst“ ist nicht Magie oder Zauberei moderner Technologien gemeint, sondern die schwarze Druckfarbe, die zur Einfärbung von Druckformen verwendet wurde, um das Bild meist einfarbig auf Papier zu vervielfältigen. Farbig wurden die gedruckten Bilder der Frühzeit erst durch nachträgliche manuelle Einfärbung, später auch durch andere druckgrafische Verfahren, die in diesem Beitrag erläutert werden.

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