Artikel

Ohne Schriftguss kein Handsatz und kein Buchdruck: Der letzte Schriftgießer der Welt im Interview

Rainer Gerstenberg, der letzte kommerziell arbeitende Komplettguss-Schriftgießer der Welt, stellt zum 31. 12. 2021 seine Produktion in den Räumen des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt ein.

„Japan, ja, wenn man dann die Resonanz dort hört, dass Alt und Neu ganz normal nebeneinander arbeiten ohne in Konkurrenzkampf zu treten, und dass diese alten Gewerbe, der „Letzte seines Standes“, hochgehalten werden, und nicht sozusagen als Schuhabtreter genommen werden“. (Interview Gerstenberg 25. Oktober 2018, Minute 23:20) weiterlesen

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Die analoge Typografie: Bleilettern mit Winkelhaken und Typometer

Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Gutenberg hat nicht den Druck erfunden; den beherrschten die Chinesen bereits 600 Jahre vor ihm. Gutenberg hat die Typografie erfunden und dazu zählt all das, was heute in modernen Lehrbüchern, etwas geschichtsvergessen, in Mikrotypografie und Makrotypografie unterteilt wird. Seit der Erfindung Gutenbergs hat sich ein typografisches Wissen akkumuliert, das kein Verfallsdatum kennt. Die Fonttechnologie wurde durch Fotosatz, Lichtsatz, Desktop Publishing (DTP) und Web-Publishing mehrmals revolutioniert, aber die analoge Typografie Gutenbergs hat in der Digitalität der Fonttechnologie weiterhin ihre Gültigkeit behalten. Durch Maß und Zahl wurden zwar die technischen Werkzeuge der Typografie revolutioniert, nicht aber ihre grundlegenden Parameter. weiterlesen

Artikel

Immaterielles UNESCO-Kulturerbe des Buchbinderhandwerks nun auch in Deutschland anerkannt

Heftlade

 „Wir sind stolz, dass auf unseren Antrag hin das Buchbinderhandwerk mit in den Kreis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden ist…“ [1]

So äußerte sich Maik Beckmann, Vorsitzender des Bundes Deutscher Buchbinder zur Aufnahme des Buchbinderhandwerks in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes durch die deutsche UNESCO-Kommission. So geschehen am 19. März 2021. Neben der Morsetelegrafie und den Künstlerischen Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks und Durchdrucks ist mit dem Buchbinderhandwerk ein weiteres Kulturerbe in die Liste aufgenommen worden, das der Kulturgeschichte der Medien zuzurechnen ist. weiterlesen

Artikel

Druckkunst und Kunst in der Lithographie-Werkstatt Eichstätt

Li Portenlänger druckt die Arbeit von Renate Gehrcke, Pappenheim

Im vergangenen Jahr widmete Li Portenlänger den Jahresdruck 2019 der Lithographie-Werkstatt Eichstätt dem Hofbaumeister und italienischen Architekten Maurizio Pedetti. Anlass war dessen 300jähriger Geburtstag. Von 1750 bis zu seinem Tode 1799 war Pedetti unter vier Fürstbischöfen Hofbaudirektor und Hofkammerrat in Eichstätt. Pedetti war der letzte Hofbaumeister des Fürstbistums Eichstätt an der Wende vom Rokoko zum Klassizismus.

Li Portenlänger arbeitet seit 2019 an einem Zyklus von Lithographien nach zeichnerischen Entwürfen Pedettis. Sie setzte diesen Zyklus 2020 fort und stellt ihre neuen Werke in der Ausstellung „Nachlese mit Pedetti“ vor. Die Eröffnung der Ausstellung findet am 18. September 2020 statt und sie läuft bis zum 4. Oktober 2020 im Lithographischen Kabinett der Lithographie-Werkstatt Eichstätt aus. weiterlesen

Artikel

Bilderdruck als Druckkunst

Der Formschneider. Quelle: Wkipedia

An den Umstand, dass Drucken und Kunst einmal in enger Verbindung gestanden haben, daran erinnert das heute noch weithin bekannten Synonym für „Drucken“ als „Schwarze Kunst“. Hinzu kommt die Erinnerung an die seit 1740 verbriefte Begrüßung der Zunftgenossen der Buchdrucker-, Schriftsetzer und Lithografen mit „Gott grüß‘ die Kunst“, auf den mit „Gott grüße sie“ zu antworten war. Mit der „Schwarzen Kunst“ ist nicht Magie oder Zauberei moderner Technologien gemeint, sondern die schwarze Druckfarbe, die zur Einfärbung von Druckformen verwendet wurde, um das Bild meist einfarbig auf Papier zu vervielfältigen. Farbig wurden die gedruckten Bilder der Frühzeit erst durch nachträgliche manuelle Einfärbung, später auch durch andere druckgrafische Verfahren, die in diesem Beitrag erläutert werden.

Holzschnitt: Bilderdruck mit zwei kulturellen Wurzeln

Der Bilderdruck begann in Europa erst um 1420, nachdem er außerhalb Europas schon 700 Jahre früher in China praktiziert wurde. Im Vergleich zu Europa hatte China andere kulturelle Bedingungen, unter denen sich der Bilderdruck viel früher entwickeln konnte. Der seit dem 1. Jahrhundert nach China vordringende Buddhismus nutzte spätestens seit dem 8. Jahrhundert die auf Papier gedruckte Xylografie in Bild und Text dazu, um dem religiösen Glauben zur Verbreitung zu verhelfen. Während die frühen chinesischen Kenntnisse zur Papierherstellung über einen langen Weg nachweislich im 13. Jahrhundert nach Europa importiert wurden, muss davon ausgegangen werden, dass sich die Xylografie im 15. Jahrhundert in Europa ganz eigenständig davon entwickelt hat. weiterlesen

Akzeptieren Sie bitte den Datenschutz