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Zwischen Morsecode und digitaler Font-Technologie Teil 4: Der Hellschreiber

Abbildung 1: Hellschreiber von Siemens Halske Modell 24a=32 aus dem Jahre 1941
Quelle: ©2008 Frank M.G. Dörenberg, N4SPP
www.nonstopsystems.com/hell.htm

Die Abkürzung TELEX steht für TeleprinterExchange und bezeichnet den Austausch von Textnachrichten über Fernschreiber auf Telefonleitungen mittels des standardisierten Zeichensatzes nach Murray-ITA-2 (siehe Teil 3 dieses Blogbeitrags). In Deutschland lief seit 1928 ein Testbetrieb, bevor das Telex-Netz im Jahre 1933 endgültig eingeführt wurde. Mit der Erfindung des Hellschreibers durch Dr. Ing. Rudolf Hell kreuzen sich zwei bis dahin unabhängige Technologien, Faxsimile und Telex zu einer neuen Symbiose. Ein kleiner Schritt für die Telekommunikation wird zu einem ersten Schritt in eine digitale Schriftkultur. Mit dieser Bedeutung für die Geschichte der digitalen Schriftkultur blieb der Hellschreiber bisher weitgehend unbeachtet. Weiterlesen

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Wilde Zeiten – Fotografien von Günter Zint

Demonstration auf dem Berliner Kurfürstendamm nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, Ostern 1968″ © Günter Zint

Günter Zint versteht sich als politischer Fotograf, er gilt als Vorreiter eines sozial engagierten und aufklärerischen Bildjournalismus der jungen Bundesrepublik. Im Mittelpunkt stehen Motive aus dem Hamburger St.-Pauli-Kiez sowie Fotos der Studenten-, Friedens- und Anti-Kernkraft-Bewegung. Viele seiner Fotografien haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt, darunter die Aufnahme der Beatles vor dem Hamburger Star-Club oder die Bilder protestierender Studenten in Berlin und Paris.
„Wilde Zeiten“ ist eine Ausstellung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Günter Zint und dem Deutschen Zeitungsmuseum. Die Ausstellung läuft noch bis 27. September 2020. Der Eintritt ist frei!

Quelle: Stiftung Saaländischer Kulturbesitz

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Workshop-Angebot im Druckladen des Gutenberg-Museum

Mit der Wiedereröffnung des Gutenberg-Museums Mitte Mai öffnete auch der Druckladen wieder seine Türen und bot das beliebte, museumspädagogische Programm an. Nach den Sommerferien finden dort jetzt auch wieder die beliebten Workshops statt. In intensiven zweitägigen Kursen werden durch das Personal der museumspädagogischen Abteilung des Gutenberg-Museums oder durch eingeladene Fachleute, Handwerker*innen, Künstler*innen und Gestalter*innen Fertigkeiten rund um das Buch und das Drucken vermittelt.

Das Programm startet Ende September mit dem Workshop „Nur Makulatur? Von der unfreiwilligen Schönheit des Scheiterns“. Die Kursleiterinnen Gundela Kleinholdermann und Gisela Winterling, beide langjährige Druckladen-Mitarbeiterinnen, vermitteln dabei kreatives Schreiben und Drucken.

Im Oktober folgt ein Angebot zum Holz- und Linolschnitt mit Inka Grebner, die mit diesen Drucktechniken experimentiert. Im November bietet der Grafikdesigner und Buchbinder Ludger Maria Kochinke einen Workshop mit dem Titel „Rückenprobleme“ an. In diesem Kurs werden keine gymnastischen Übungen gezeigt, sondern der Kursleiter demonstriert den Teilnehmenden verschiedene Heil- und Reparaturmöglichkeiten für mitgebrachte Buchpatienten. Den Abschluss im Dezember macht der Workshop „Arabische Kalligrafie“ des Lehrbeauftragten für arabische Kalligrafie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main Adel Ibrahim Sudany.

Selbstverständlich finden alle Workshops unter Beachtung der aktuellen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen statt.

Für alle Workshops, die jeweils samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr stattfinden, wird um eine Voranmeldung unter der Telefon 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt-mainz.de gebeten. Der Teilnahmebeitrag beträgt 100 Euro, Studierende bezahlen den ermäßigten Preis von 80 Euro.
Weitere Informationen und Angebote finden Sie unter www.gutenberg-museum.de.

Info:
26./27. September : Nur Makulatur. Von der unfreiwilligen Schönheit des Scheiterns. Kreatives Drucken und Setzen

17./18. Oktober: Holz- und Linolschnitt

14./15. November: Rückenprobleme? Reparaturkurs Buchbinden

5./6. Dezember: Arabische Kalligrafie

Ansprechpartner:

Dr. Annette Ludwig, Direktorin, Tel. 06131 / 12 26 40, E-Mail:

gutenberg-museum@stadt.mainz.de

Martina Illner , Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 06131 / 12 26 79, E-Mail:

martina.illner@stadt.mainz.de

Mainz, den 13.08.2020


Dr. Annette Ludwig

Direktorin

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Jahrestagung des Vereins für die Schwarze Kunst

Am 17. Oktober 2020 findet in der Papiermühle von Johannes Follmer die diesjährige Mitgliederversammlung des Vereins der Schwarzen Kunst statt.

Dies ist auch der Beginn einer Ausstellung mit den Arbeiten, die die Walzstipendiaten in den verschiedenen Werkstätten gestaltet, gesetzt und gedruckt haben.

Der Titel der bis zum 31. Oktober dauernden Ausstellung heißt: „Beeindruckend“

Vorgestellt wird auf dieser Ausstellung das in der Abbildung gezeigte Büchlein. Zur Ausstellung berichten die Stipendiatinnen über ihre Walz und stehen für Rückfragen zur Verfügung. Die neuen Stipendiaten werden auch eingeladen und können somit von den „alten Stipendiaten“ Informationen bekommen.

Es wird von den 9 Stipendiatinnen am „Fraktur-Wochenende“ in der Historischen Buchdruckerei in Dohna gesetzt und gedruckt. Es ist ein Wiegendruck von 1495, neu interpretiert von Klaus-Dieter Stellmacher, Delbanco Frakturschriften Cottbus.

Das Papier wird gesponsert von 62.zweidrittel Conny Hügelschäffer. Inhalt und der Umschlag: f.color glatt, 120 g/m², gesponsert von Gebr. Schabert GmbH & Co. KG
www.schabert.eu

Für 2021 vergibt der Verein sieben Wanderungen für je zwei Monate in wechselnden
Werkstätten. Davon sind vier als „Walz-Stipendien“ für Stipendiaten unter
30 Jahren reserviert, die der Verein mit jeweils 1000 Euro unterstützt.

Die komplette Ausschreibung kann auf der Homepage nachgelesen werden: Verein für die Schwarze Kunst.
Bewerbungsfrist ist der 1. Oktober.

Manufaktur Willi Beck
für Bleisatz und Buchdruck
Oskar-von-Miller-Strasse 5a
85221 Dachau
Telefon 08131.6020
0160 97925636
willi@beckundbeckdesign.de

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Jahrestagung des Forums BildDruckPapier 2021 in Dresden

Call for Papers – Mehr Schein als Sein?! Papierne Imitation und Illusion

Das Forum BildDruckPapier veranstaltet seine nächste Jahrestagung vom 16.–18. Mai 2021 in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, wo es sich papiernen Imitationen und Illusionen widmen wird. Der Tagungsort selbst steht mit der sogenannten „Dresdner Pappe“ exemplarisch für eines der zahlreichen Papierprodukte, die nach außen hin mehr zu sein versprechen, als sie tatsächlich sind.

Denn die als Dresdner Pappe bezeichneten Ziergegenstände aus geprägtem Papier erzeugten mit ihrem glänzenden Überzug aus Gold- oder Silberfolie die Illusion hochwertigen Schmucks aus getriebenem Metall. Aber auch im sächsischen Umland finden sich verschiedene Beispiele zur Geschichte der täuschenden Papierfabrikate wie beispielsweise die eine Holzmaserung imitierenden Fladertapeten der Renaissance oder Papierblumen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Tagung „Mehr Schein als Sein?!“ richtet ihren Fokus auf solche papiernen Surrogate und Attrappen, die andere Materialien durch optische Täuschung mittels Druck- und Maltechnik oder durch Nachahmung von Strukturen ersetzen. Obwohl als Imitate hergestellt, waren die gefertigten Erzeugnisse dabei nicht zwangsläufig minderwertig, sondern teils eigenständige Luxusartikel. Die Bandbreite der nachahmenden Papier-, Papp-, Papiermaché- und Pappmachéprodukte reichte von der Raumausstattung über Hausrat bis zu Kleidung. Täuschend echt konnten sie die verschiedensten Materialien nachbilden. Als Beispiele seien genannt:

  • Stein/Porzellan (Papierstuck und Steinpappe, marmoriertes Buntpapier, Puppenköpfe)
  • Holz (Schnupftabakdosen und Schalen aus Pappmaché in Lackarbeit, Fladerpapier)
  • Metall (Sargbeschläge und Christbaumschmuck aus geprägter Pappe)
  • Leder (geprägte Papiertapete, Mützenschirme aus Pappe)
  • Korb (Spielzeug und Taschen aus Papiergarn)
  • Textilien (Spitzenpapier, Faschingskostüme, Ersatzkleidung aus Papiergewebe) und
  • Pflanzen (Kunstblumen für Festartikel und Hutputz).

Wie wurden solche Fabrikate hergestellt? Wer war darauf spezialisiert? Warum benötigte oder wünschte man Imitationen? Wie wurden sie im Einzelfall bewertet, wofür verwendet? In welchem Verhältnis standen Vorbild und Abbild zueinander? Mit diesen Fragen will sich die Tagung auseinandersetzen. In der Hauptsektion (Montag, 17. Mai 2021) werden Beiträge präsentiert, die sich mit den vielfältigen Imitationsmöglichkeiten des Papiers, mit Herstellung und Technik, Produzenten oder Konsumenten auseinandersetzen. Die 20-minütigen Referate mit anschließender Diskussion können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden. Interessierte senden ihr Abstract (max. 2.500 Zeichen inkl. Leerzeichen) auf Deutsch oder Englisch zusammen mit einer Kurzvita bitte bis zum 15. November 2020 an bild-druck-papier@web.de.

Nachfragen richten Sie gern an die Geschäftsstelle: Andrea Rudolph

Forum BildDruckPapier c/o Stadtmuseum Dresden Wilsdruffer Str. 2

01067 Dresden

bild-druck-papier@web.de

+49 351 488-7332

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Zwischen Morsecode und digitaler Font-Technologie Teil 3: Lochstreifen und Perforator übernehmen das Komando

Abbildung 1 Teletype Perforator

Die erste praktische Erfindung nach der experimentellen Erforschung der Elektrizität im 19. Jahrhundert ist 1837 die Elektrifizierung des Alphabets über die Morsetelegrafie (siehe Teil 1 zu diesem Blog-Beitrag). Mit ihr beginnt der Weg in die Digitalität der Fonttechnologie.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führt die Mechanisierung der Büroarbeit, des Bleisatzes und der Telegrafie zu Innovationen des Schreibens, Setzens und Telegrafierens. Die Erfindung der Schreibmaschine, der Bleisetzmaschinen und der Drucktelegrafen verfügen über Tastaturen, mit denen die Buchstaben des Alphabets direkt angesprochen werden können. Die Tastatur wird zur Schnittstelle zwischen dem Menschen und dem Alphabet (siehe Teil 2 zu diesem Blog-Beitrag).

Der Perforator (Abbildung 1) ermöglicht die Speicherung von Buchstaben und Steuerungscodes auf  einem Lochstreifen. Seine Erfindung führt im 20. Jahrhundert zur Konvergenz von Telegrafie, Schreibmaschine und Bleisatz. Der Lochstreifen eines Perforators codiert nicht nur den Text, sondern auch  die Steuerung der Setzmaschinen. Um diese Technikgeschichte der Fonttechnologie geht es jetzt im 3. Teil dieses Blog-Beitrags.

Erste Lochbandsteuerung an Monotype Bleisetzmaschinen

Seit 1858 können mit dem Morse-Alphabet codierte Buchstaben auf einem zweikanaligen Wheaston– Lochstreifen gespeichert werden.

Nicht ganz 30 Jahre später steuert der Amerikaner Tolbert Lanston erstmalig einen Bleisetzmaschine über Lochstreifen. 1897 codiert Lanston nicht nur die aufzurufenden Buchstabenmatrizen, sondern auch Parameter zum Ausschließen der Zeilen beim Setzen von Blocksatz. Seine Erfindung nennt er Monotype-Bleisetzmaschine. Der Lochstreifen der Monotype ermöglicht es, den Setzvorgang vom anschließenden Gießen der Lettern zu trennen.

Abbildung 2: MonotypeTaster und lochbandgesteuerter Gießapparat
Quelle: letterpresscommons.com/monotype/

Tolbert Lanston stanzt die Zeichen des Alphabets als gelochten Code in einen Lochstreifen mit 31 möglichen Lochungen pro Zeichen. Die Kombination einer binären Codierung (gelocht oder nicht gelocht) wird den einzelnen Buchstaben und Zeichen zu ihrer eindeutigen Identifikation zugeordnet.

Abbildung 3: Monotype Lochstreifen und Set-Trommel
Quelle: Wikipedia

Jeder Buchstabe und jedes Zeichen liegt im Gießapparat als einzelne Matrize in einem Matrizenrahmen (Abbildung 4) vor und wird über den individuellen binären Code des Lochstreifens angesprochen.

Schon vor Tolbert Lanston schlägt im Jahre 1867 Dr. Alexander Mackies eine Dampftypensetzmaschine mit Lochbandsteuerung vor.

Jedoch erst die 1897 von dem Amerikaner Tolbert Lanston vorstellte ‘Monotype’ kann mit Recht als erste zuverlässig arbeitende lochbandgesteuerte Bleisetzmaschine bezeichnet werden.

Bernhard Laufer: Vom Federkiel zum Satzcomputer. Die Geschichte der Textreproduktion 1987, S. 43

Die Einzelmatrizen, die im Gießapparat beim Lesen des Lochstreifens angesprochen werden, befinden sich in einem Metallrahmen, der 15 x 15 (Abbildung 4), oder in späteren Modellen auch 15 x 17 beziehungsweise 16 x 17 Matrizen enthält. Mit ihrem Matrizenrahmen unterscheidet sich die Monotype-Setzmaschine ganz wesentlich von der 1886 von dem Deutsch-Amerikaner Ottmar Mergenthaler erfundenen Zeilensetz- und Gießmaschine. Die mehrfach vorhandenen Matrizen der Schriftarten für Linotype-Maschinen stehen dem Maschinensetzer in mindestens einem oder mehr Schrift-Magazinen zur Verfügung. Sie werden ohne Lochstreifen über die Tastatur angesprochen und zu einer Zeile gesammelt. Während bei der Linotype jeweils eine ganze Zeile gegossen wird, erfolgt bei der Monotype der Guss einzelner Drucktypen, die nach dem Gießen der einzelnen Letter zu Zeilen aneinandergereiht werden. Die einzelnen Drucktypen können anschließend wie im Handsatz korrigiert werden.

Abbildung 4: Monotype Matrizenrahmen für den Typenguss
Quelle: letterpresscommons.com/monotype/

Mit der Speicherung des codierten Textes auf einem Lochband setzte die Monotype Ende des 19. Jahrhunderts im maschinellen Bleisatz neue Maßstäbe, weil es bei Wiederholungsaufträgen wesentlich ökonomischer war, lediglich die Papierrolle aufzubewahren, als den sogenannten Stehsatz. In Zeitungsverlagen, die keinen Stehsatz aufbewahrten, war dies jedoch kein relevanter Vorteil.

Ausschließen der Zeilen an Bleisetzmaschinen

Im Hinblick auf die Genealogie der digitalen Fonttechnologie ist der Vergleich der unterschiedlichen mechanische Technik zum Ausschließen der Zeilen für den Blocksatz in der Linotype im Vergleich zur Monotype von besonderem Interesse und soll deshalb näher betrachtet werden.

Durch die Trennung des Setzvorgangs vom Gießvorgang musste Lanston das Ausschließproblem auf andere Art lösen, als das bei der Linotype möglich war. Bei der Linotype wird nach jedem gesetzten Wort ein Spatienkeil als Wortabstand zwischen die Matrizen eingefügt. Drückt der Linotype-Setzer bei Erreichen des Zeilenendes die Taste für das Abschicken der Zeile zum Gießapparat, werden die Spatienkeile (Abbildung 5) nach oben gedrückt und treiben die Wortzwischenräume auseinander. Auf diese Weise werden die Zeilen beim Blocksatz an der Linotype links und rechts bündig gesetzt.

Abbildung 5: Spatinkeile zum Ausschließen der Zeilen in der Linotype-Setzmaschine

Wie löst Lanston das Ausschließproblem? Für ihn kommt die Linotype-Methode nicht in Betracht, weil seine Zeilen zunächst nur aus dem Code des Lochstreifens bestehen. Für die Größe der Wortabstände muss folglich schon vorher eine Entscheidung getroffen und auf dem Lochstreifen codiert werden. Diesen Code muss die Gießmaschine zuerst lesen, um die richtige Größe der Wortabstände einer Zeile gießen zu können. Aus diesem Grunde ist es erforderlich, schon auf dem Taster die Anzahl der gesetzten Zeichen mit ihren Dickten sowie die Anzahl der Wortzwischenräume zu ermitteln. Dazu dient am Monotype-Taster eine mitlaufende Set-Trommel. Aus der Differenz der vorher festgelegten Zeilenbreite und den Dickten der Zeichen kann an dieser Trommel der Zeilenrest abgelesen werden, der bis zu ihrem Ende noch übrig ist. Der ablesbare Zeilenrest bestimmt in einem zweiten Schritt, um wieviel die registrierten Wortzwischenräume vergrößert oder verkleinert werden müssen, um eine ausgeschlossene Zeile zu erhalten. Dieser so genannte Set-Wert wird codiert und am Ende der Zeile in den Lochstreifen gestanzt.

Zur Realisierung eines solchen Verfahrens hatte Lanston zwei Probleme zu lösen. Das erste bestand darin, den unterschiedlich horizontalen Platzbedarf der einzelnen Zeichen (Dickten) schon beim Tasten des Lochstreifens genau vorweg nehmen zu müssen und dabei zweitens zu berücksichtigen, dass der Platzbedarf gleicher Buchstaben bei wechselnden Schriftarten keineswegs gleich ist. (Abbildung 6).

Abbildung 6: Verschiedene Schriftarten genau gleicher Schriftgröße haben unterschiedliche Laufweite

Tolbert Lanstons Lösung beider Probleme des Ausschließens besteht in der Erfindung eines relativen typografischen Einheitensystems für die Dickten und von Sets zur Bestimmung der Größe des Wortabstandes. Ein Set ist ein Befehlsparameter für den Zeilausschluss am Gießapparat. Es legt die Größe der zu gießenden Wortabstände fest.

Mit diesen relativen Einheiten wird der horizontale Platzbedarf für jeden Buchstaben, inklusive Vorbreite und Nachbreite (Dickte) festgelegt. In der Erfindung dieser relativen Einheiten liegt die bedeutende Innovation für die Fonttechnologie begründet, denn vergleichbare relative typografische Einheiten werden in allen heutigen professionellen Layoutprogrammen für die Printproduktion, bei der Textverarbeitung mit MS Word und im typografischen Web-Design mit CSS verwendet. Lanston löst die Berechnung der Dickten in einer Zeile auf mechanische Art, was heute digital funktioniert. Es ist aus diesem Grunde von Interesse, Lanstons Einheitensystem näher zu betrachten.

Die geniale Erfindung relativer typografischer Einheiten

Als Bezug für das relative Einheitensystems verwendet Lanston den breitesten Buchstaben einer Schrift. Das ist für ihn das „W“ (heute steht dafür das „M“), das er als Geviert heranzieht und in 18 gleiche Teile einteilt. Diese Teile entsprechen 18 relativen Einheiten, weil die absolute Größe einer Einheit sich auf die Größe der in der Monotype verwendeten Schriftart und Schriftgröße bezieht. Das heißt, die absolute Dickte in Millimeter variiert bei gleichen Buchstaben, aber unterschiedlicher Schriftart und Schriftgröße. Eine Einheit bleibt stets 1/18 Teil davon. Ein Halbgeviert würde demnach immer aus 9 Einheiten bestehen, ein Drittel-Geviert aus 3 Einheiten. Ausgehend von dem breitesten Buchstaben mit 18 Einheiten haben schmalere Buchstaben wie beispielsweise das “i” eine geringere Dickte von zum Beispiel 5 Einheiten. Das relative Einheitensystem der Monotype ermöglicht auf diese Weise eine Bezugsgröße, die ganz unabhängig davon ist, ob der Schriftgrad nun 10 Pt. oder 14 Pt. groß ist.

Es sei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein Monotype-Geviert in seiner Größe nicht identisch mit dem Kegel-Geviert ist, wie es von den Drucktypen des Handsatzes seinen Namen hat und welches heute auch als digitale typografische Einheit (Units, em) verwendet wird. Beim Kegel-Geviert entspricht die Kegelhöhe der Drucktype genau dem Schriftgrad, da die Kegelhöhe im Handsatz bei allen Buchstaben gleich sein musste, um im Winkelhaken eine gerade Schriftlinie zu erhalten. Beim digitalen Kegel-Geviert entspricht die Kegelhöhe genau der Breite.

Lanston verwendet die 18 Einheiten des Monotype-Gevierts sowohl zur Festlegung der Dickten aller Zeichen als auch zur Berechnung der Zeilenbreite und der Sets. Während des Setzens an der Monotype kann der Setzer an der Set-Trommel des Tasters verfolgen, wie viele Einheiten bis zum Erreichen des Zeilenendes noch bleiben. Nachdem der Setzer den Bereich erreicht, der das baldige Ende der Zeile anzeigt, kann er auf der mitlaufenden Set-Trommel den Wert für den Wortzwischenraum dieser Zeile ablesen. Durch Drücken einer entsprechenden Set-Taste (rote Tasten in Abbildung 7) wird dieser Wert als letzter auf dem Lochstreifen codiert.

Abbildung 7: Tastatur-Layout der Monotype-Bleisetzmaschine

In der Gießmaschine wird der Lochstreifen dann von hinten gelesen. Dadurch erhält die Gießmaschine als erstes die Information über die Größe der zu gießenden Wortzwischenräume. Sie liest den Lochstreifen also von hinten, um die nachfolgenden Matrizen einzeln als ausgeschlossene Zeile rückwärts zu gießen.

Im Gießapparat sind die Matrizen der Einzelbuchstaben in der Reihenfolge ihrer Dickten von oben nach unten sortiert. Die Reihenfolge entspricht der Einheitenfolge 5-6-7-8-9-9-9-10-10-11-12-13-14-15-18 (Abbildung 8 ganz rechte Spalte).

Abbildung 8: Das ordnungsprinzip der Matrizen im Monotype Matrizenrahmen erfolgt von der kleinsten Dickte (Unit) zur größten
Quelle: Codes that Don’t Count Some Printing. Telegraph Codes as Products of their Technologies (With Particular Attention to the Teletypesetter)

Die im Rahmen angeordneten Matrizen können je nach Größe bis zu drei Schriften umfassen: Grundschrift, halbfette Auszeichnung und Kursive, außerdem Sonderzeichen, Ligaturen usw, so dass auf der Monotype mehrfach gemischter Satz und Spezialsatz hergestellt werden kann. Daraus erklärt sich die auf dem Taster mehrfach vorhandene Schreibmaschinen-Tastatur der Monotype. Im Unterschied zur Linotype hat sich 10 Jahre später bei Lanstons Monotype bereits die seit 1876 in Amerika etablierte Schreibmaschine mit ihrer Tastatur schon im Bleisatz durchgesetzt.

Die Telegrafie diktiert den Buchstaben-Code

Für Linotype-Setzmaschinen wird es erst 30 Jahre nach der Erfindung der Monotype möglich, auch diese über Lochband anzusteuern. Der technikgeschichtliche Impetus für diese Innovation speist sich jedoch nicht aus der Erfindung der Monotype, sondern aus der expansiven Entwicklung der Telegrafie zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Expansion der Telegrafie hatte ihre Ursachen in der europäischen Kolonialpolitik, die dem Bedürfnis nach schneller technischer Kommunikation über weite Entfernungen starken Auftrieb gab. Die ersten Nachrichtenagenturen entstehen nahezu zeitgleich mit dem Ausbau der Telegrafenlinien. Schon in den 30iger Jahren des 19. Jahrhunderts werden mit der aufkommenden Morsetelegrafie Nachrichtenagenturen gegründet. Havas, Reuters, Wolff und die Associated Press (AP) gehören zu den ersten Pionieren, die Nachrichten aus aller Welt in eine Ware verwandeln. Sie treiben die sich globalisierende Welt damit voran. Von dieser Perspektive aus betrachtet, geht der Wunsch nach einer engeren Verknüpfung zwischen Telegrafie und Typografie zuerst von Zeitungsverlegern aus, die mit Linotype-Setzmaschinen ihre Zeitungen produzieren.

Die technikgeschichtliche Entwicklung der Codierungen von der Morsetelegrafie zum Teletype-Setting (TTS) offenbart die Konvergenz zwischen Telegrafie und Bleisatzmaschinen am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Mit dieser technikgeschichtlichen Entwicklung wird nach der Morsetelegrafie und der Schreibmaschinentastatur ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zur digitalen Fonttechnolgie erzeugt.

Jean-Maurice Émile Baudot verwendet mit seinem Telegrafen (siehe den Abschnitt ‘In die Ferne schreiben’ im Teil 2 des Blog-Beitrags) erstmalig eine Codierung, bei der die Buchstaben des Alphabets in gleichen Einheiten von 5 binären Kombinationen codiert werden. Einheit bedeutet, dass an jeweils 5 Stellen einer Zeile eines Papierbandes entweder ein Loch oder kein Loch befindet, die gemeinsam einem Zeichen oder Buchstaben zugeordnet werden. Jedem Zeichen oder Buchstaben entspricht somit ein Muster aus 5 binären Loch-Kombinationen. In der Literatur findet man an dieser Stelle häufig die Bezeichnung ‘Bit’ statt Einheit. Historisch ist diese Bezeichnung für die frühen Codierungen von Buchstaben falsch, weil sich Bit von Binary Digit herleitet und am besten mit Dualzahl übersetzt werden kann. Die frühen aus der Telegrafie stammenden Codierungen des Alphabets haben aber mit Zahlen absolut nichts zu tun. Das ändert sich erst mit Einführung der Computer und mit dem ASCII-Code ab den 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Baudots Telegraf überträgt die einzelnen Zeichen seriell in 5 Einheiten und mit gleicher Dauer. Die Konzeption seines Telegrafen ist auf die synchrone Übertragung ausgerichtet.

Baudot orientiert sich beim Aufbau seines Codes an der Bedienerfreundlichkeit für den Telegrafisten. Der Tastaturaufbau mit 5 Tasten soll die Erlernbarkeit des Codes für ihn erleichtern. Die Tastatur leistet aber noch nicht die „Übersetzung“ vom Buchstaben des Alphabets in den maschinenverständlichen Code. Das heißt, dass der Telegrafist den 5er-Code für jeden Buchstaben im Kopf haben muss. Diese Transformationsleistung gehört zu den Qualifikationen des Telegrafisten. Zur leichteren Erlernbarkeit der Codierungen ist der Code so aufgebaut, dass die Vokale ausschließlich mit dem Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger der rechten Hand getippt werden, während die Konsonanten zusätzlich mit dem Zeige- und Mittelfinger der linken Hand einzugeben sind. Die elektrische Übertragung der Zeichen zum Empfänger erfolgt jedoch stets in der mit I bis V nummerierten Reihenfolge hintereinander (Abbildung 9).

Abbildung 9: Die Codierung des Alphabets und der Zeichen nach Baudot mit den zu drückenden Tasten I-V
Quelle:Codes that Don’t Count Some Printing. Telegraph Codes as Products of their Technologies (With Particular Attention to the Teletypesetter)

Der Baudot-Code hat eine Doppelbelegung der Tastatur, mit der von Buchstaben auf Sonderzeichen mit der Taste (Figure Blank) umgeschaltet werden kann. Hier liegen auch die Ziffern.

Baudots Telegrafenapparat ist ursprünglich nicht für die Übertragung des Textes über Lochstreifen, sondern für den synchronen Betrieb konzipiert worden. Das bedeutet, dass während der Abtastung der 5 elektrischen Signale beim Empfänger die Tastatur gesperrt ist. Nach Abtastung einer Einheit I bis V ist stets das Ende des Zeichens markiert. Der Telegrafist muss deshalb einen gewissen Rhythmus beim Tasten einhalten. Die übliche Übertragungsgeschwindigkeit beträgt etwa 30 Wörter pro Minute.

Der Baudot-Code wurde mit leichter Abweichung im Jahre 1932 auf der Internationalen Telegrafenkonferenz als Internationaler Telegrafencode No. 1 (ITA-1) (Abbildung 10) standardisiert.

Abbildung 10: Der Baudot-Code wurde 1932 zum Internationalen Telegrafencode No.1
Quelle: https://www.wikiwand.com/en/Baudot_code

1973 wurde dieser Standard von der Nachfolgeorganisation CCITT wieder gestrichen, weil er überflüssig geworden ist. Grund dafür ist die Innovation Donald Murrays.

Donald Murray trägt 1901 zu einer entscheidenden Veränderung der Codierung des Alphabets mit 5 binären Einheiten bei. Er verwendet für seinen Telegrafen die bereits zuvor von Frederick George Creed in die Telegrafie eingeführte QWERTY- Schreibmaschinenastatur und nutzt sie als ‘Übersetzerin’ in einer von ihm vollkommen neu konzipierten Codierung des Alphabets. Die Schreibmaschinentastatur hat sich seit ihrer Einführung um 1880 in Amerika sowie später auch in Deutschland schnell als neue ‘Kulturtechnik’ in den Büros etabliert. Die Intention Baudots zur leichten Erlernbarkeit der Codierung mit seiner aus nur 5 Tasten bestehenden Tastatur ist als Codierungsprinzip damit hinfällig geworden. Donald Murray konzentriert sich deshalb bei der Neugestaltung der Codierung auf die Minimierung der Belastung des Perforators mit dem der Code gestanzt wird. Er verwendet, ähnlich wie zuvor schon Ottmar Mergenthaler an seiner Linotype-Bleisetzmaschine, das Häufigkeitsverteilungsprinzip der vorkommenden Buchstaben der englischen Sprache als Prinzip der Codezuordnung. Dabei bekommen die am häufigsten vorkommenden Buchstaben den kürzesten Code. Bei Murray sind dies die ersten zwölf Buchstaben in der Reihenfolge „ETAINO SRHDLU“. Bei Ottmar Mergenthalers Linotype ist die Häufigkeitsverteilung mit „ETAOIN SHRDLU“ fast genauso aufgebaut. Nur das ‘I’ und das ‘O’ sind unterschiedlich positioniert. Murray verwendet diese Codierung aus einem technischen Grund. Bei den am häufigsten verwendeten Buchstaben sollten die geringsten Schläge zur Stanzung der Lochstreifen erforderlich sein, um so wenig Löcher als möglich in das Lochband stanzen zu müssen. Durch diesen im Vergleich zu Baudot vollkommen anderen Ansatz zur Zuordnung der Codierungen zu den Buchstaben erklärt sich, dass der Baudot-Code und der Murray-Code nicht miteinander kompatibel sind. Die Abbildung 11 zeigt die Gegenüberstellung beider Codierungen in der ETAINO-Reihenfolge.

 

Abbildung 11: Vergleich zwischen Baudot- und Murray-Codierung in der ETAino Reihenfolge der häufigsten Buchstaben

Aus dieser Gegenüberstellung kann erstens die Inkompatibilität beider Codes und zweitens das von Murray angewendete Prinzip der Häufigkeitsverteilung der Buchstaben für die Zuordnung der Codes erkannt werden. So wird das ‘T’ bei Baudot mit 3 Stanzungen codiert, während es bei Murray nur eine Stanzung erhält. Deutlich sichtbar wird in Murrays Codierung auch die von oben nach unten zunehmende Anzahl der Stanzungen.

Beim Vergleich beider Codierungen zeigt sich, dass lediglich die Verwendung von 5 Einheiten bei beiden Codierungen gleich ist, mehr aber auch nicht. Es muss daher verwunderlich erscheinen, wenn der Murray-Code häufig als Baudot-Murray-Code bezeichnet wird, wo doch beide Codierungen inkompatibel zueinander sind.

Der Murray-Code wird 1932 als internationales Telegraph Alphabet No. 2 (ITA-2) standardisiert und verändert sich auch 1993 nicht wesentlich (Abbildung 12).

Abbildung 12: Murray-Code und Telegraphen Alphabet No.2 (ITA-2 im Vergleich

Vom Fernschreiber zur TTS-Linotype Setzmaschine

Das größte Problem der meisten Drucktelegrafen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bestand in der erforderlichen Synchronisation zwischen Sender und Empfänger. Um 1906 begannen Jay Morton und Charles Krumm aus Chicago mit Maschinen zu experimentieren, die nach dem sogenannten Start-Stopp-Prinzip arbeiten. Sie verwenden den Murray-Code, erweitern diesen aber um ein Start- und Stoppelement, das jeweils vor und hinter einem zu übertragenden Zeichen gesetzt wird. So werden geringfügige Geschwindigkeitsunterschiede beim elektrischen Übertragen der Zeichen zwischen den Enden automatisch ausgeglichen.

Morton und Krumm gründen zusammen eine Firma mit dem Namen Morkrum, um ihre Maschine herzustellen. 1908 wurde ein erster funktionierender Fernschreiber (Teletypewriter TTY) namens Morkrum Printing Telegraph hergestellt, der mit der Alton Railroad vor Ort getestet wurde.

1925 schließen sich die Morkrum Company und die Kleinschmidt Electric Company zur Morkrum-Kleinschmidt Company zusammen.
Im Dezember 1928 änderte das Unternehmen seinen Namen und benannte sich nach der Bezeichnung ihrer Geräte in “Teletype Corporation” um.
1930 wurde dann die Teletype Corporation von der American Telephone and Telegraph Company für 30.000.000 USD gekauft und in eine Tochtergesellschaft der Western Electric Company umgewandelt.

Im Jahre 1940 bringt die Teletype Corporation mit dem Teletype- Modell 20 einen Teletypesetter (TTS) auf den Markt. Es handelt sich dabei um einen Perforator, mit dem in einem Sechs-Einheiten-Code an einer Schreibmaschinentastatur ein Lochstreifen erzeugt werden kann, der zum Blocksatz ausgeschlossenen Text auf dem Lochband erzeugt. Dieses 6-Einheiten-Lochband kann anschließend an einer Linotype-Bleisetzmaschine angeschlossenen Lochbandeinheit gelesen und gesetzt werden. Technikgeschichtlich kann mit einem Perforator eine Linotype- oder andere Setzmaschine lochbandgesteuert nicht nur die Nachrichten elektronisch aus der Ferne übermitteln, sondern zugleich kann das Lochband den Setzvorgang an den Bleisetzmaschinen steuern.

Bereits in den 1920iger Jahren begann der Zeitungsverleger Frank E. Gannot aus Rochester (NY) zusammen mit dem Ingenieur Walter M. Morey Interesse daran zu entwickeln, seine Linotype-Setzmaschinen über Fernschreiber zu steuern. Dazu war es erforderlich, die Funktionen, die eine Linotype-Bleisetzmaschine mechanisch ausführt, in einen entsprechenden Code auf Lochband zu stanzen, das von einem an der Linotype angeschlossenen Lochbandleser gelesen werden kann. Des Weiteren muss das anders aufgebaute umfangreichere Tastatur-Layout der Linotype mit einer QWERTY-Schreibmaschinentastatur ansprechbar sein. Mit einer aus nur fünf Einheiten bestehenden ITA-2-Codierung war diese Aufgabe nicht zu lösen und führte in Zusammenarbeit mit der Mergenthaler Corp. zur Einführung eines aus 6 Einheiten bestehenden TTS-Codes. (Abbildung 13).

Abbildung 13: Der TTS-Code ist mit seinen 6 binären Einheiten kompatibel zu TTY und ITA-2
QuelleThe Reader View of Wikipedia Wikipedia Page
Teleprinter

Der aus 6- statt nur 5- binären Einheiten bestehende TTS-Code ist mit den aus nur 5 binären Einheiten bestehenden TTY- oder ITA-2 Code kompatibel. Entfernt man nämlich in der Codierungstabelle aus Abbildung 13 die Spalte ‚0‘, welche die sechste Code-Einheit repräsentiert, dann erhält man in den ersten 32 Zeichen von oben die Codierungen der Buchstaben nach ITA-2.

Die Groß- und Kleinbuchstaben, die auf dem Tastatur-Layout der Linotype getrennte Tasten haben, befinden sich gemeinsam auf einer Matrize. Groß- und Kleinbuchstaben haben dadurch die gleiche Codierung. Für die Auswahl welcher der beiden Buchstaben gesetzt werden soll, stehen in der Linotype eine obere und eine untere Schiene zur Auswahl, um die Matrizen aufzunehmen. Diese Auswahl bewirken die Codierungen ‚Shift‘ und ‚Unshift‘.

Alle Sonderzeichen, Ziffern und Ligaturen liegen in der unteren Hälfte der Codierungstabelle von Abbildung 13. Sie belegen alle die Zeile ‚0‘ mit einer darin gestanzten Einheit. Mit der Spalte ‚0‘ wird der 5-Einheiten-Code auf 6 Einheiten erhöht.

Alle auf der Linotype-Tastatur befindlichen Zeichen, die keine Entsprechung im ITA-2-Code haben, wie beispielsweise ‘EM-Space‘, ‘EN Space’ und ‘Thin Space’ der Tasten 32, 38 und 44 des Linotype-Tastaturlayouts in Abbildung 14, befinden sich in der unteren Hälfte der TTS-Codierungstabelle.

Abbildung 14: Linotype-Tastaturbelegung

Typografisches Einheitensystem im TTS Typesetter

Das von Lanston 1897 an der Monotype erstmals eingeführte relative typografische Einheitensystem findet in ähnlicher Form nun auch im Teletype Perforator Anwendung. Wie bei Lanston teilt der Perforator den Buchstaben Dickten zwischen 6 und 18 relativen Einheiten zu. Das geschieht mechanisch über eine Transportschiene, die in Abhängigkeit von der zu setzenden Schriftart und Schriftgröße im Perforator eingesetzt werden muss (Siehe Abbildung 15). Über diese Möglichkeit verfügte jedoch nur der Multiface Perforator. In der Standardausführung konnten mit dem Perforator dagegen nur Linotype-Setzmaschinen angesteuert werden, die über die Standardschriftart verfügt haben.

Abbildung 15: ZählMagazin zum Zählen der Dickten einer bestimmten Schriftart und -Größe
Quelle: letterpresscommons.com/monotype/

Die am Perforator angebrachte Indicator Scale (Abbildung 16) sorgt dafür, dass der Setzer oder Typist am Perforator stets den Überblick behält. Wie bei der Monotype geschieht dies auch bei der Linotype in absolut mechanischer Weise.

Abbildung 16: Skala zur Kontrolle der Zeilenbreite am Perforator
Quelle: letterpresscommons.com/monotype/

Mit dem kleinen Pfeil als Reiter der Skala wird zu Beginn die Zeilenbreite eingestellt. Der Pfeil befindet sich dann ganz links und läuft beim Perforieren des Lochstreifens nach rechts. Wie in Abbildung 16 erkennbar ist, wird der Zeiger durch die Dickten der gesetzten Einheiten der Buchstaben nach links in Richtung Zeilenende bewegt. Die Steuerung geschieht über das Zählmagazin. Wenn die Leerzeile gedrückt wird, bleibt der Zeiger stehen, denn an dieser Stelle wird ein Spatienkeil an der Linotype eingefügt. Die beiden unter der Skala befindlichen Zeiger markieren den gesamten Spielraum zum Ausschließen der Zeile, der durch die minimale und maximale Breite der Spatienkeile gegeben ist. Befindet sich der obere Pfeil innerhalb der Zone dieser beiden Zeiger, dann kann die Zeile durch Drücken der Tasten RESET (RET) und ELEVATOR (ELEV) beendet werden und die Spatienkeile bestimmen den Wortabstand zum Ausschließen der Zeile.

Abbildung 17: Erweiterte Schreibmaschinetastatur des Teletypesetters
Quelle: http://www.navy-radio.com/manuals/tty/7b-3307.pdf

Eine erweiterte Schreibmaschinentastatur ermöglicht es über einen Lochstreifen und den darauf codierten Telegrafenalphabet ITA-2 eine Linotype-Setzmaschine aus der Ferne zu steuern. Mit den Abbildungen 17 und 18 aus dem Handbuch eines Teletypesetters aus dem Jahre 1933 kann dieser Zusammenhang abschließend visuell verdeutlicht werden.

Abbildung 18: TTS-Lochstreifen mit Text und Befehlscodierung
Quelle: http://www.navy-radio.com/manuals/tty/7b-3307.pdf

Die codierten Buchstaben können elektrisch übertragen und von der Leseeinheit der Linotype decodiert werden. Die Druckschriften selbst bleiben jedoch auch weiterhin noch aus Blei oder bestehen aus den Typen einer Schreibmaschine oder eines Fernschreibers.

Telegrafie, Schreibmaschine und der maschinelle Bleisatz wachsen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen. Die Codierung der Schriften erfolgt elektrisch und ist nicht nur für Telegrafen maschinenlesbar geworden.

Damit aus Schriften digitale Fonts werden konnten, bedurfte es technikgeschichtlich erst der Entwicklung integrierter Schaltkreise und des Computers. Diese technikgeschichtliche Entwicklung wird in Teil 4 dieses Blog-Beitrags näher betrachtet. Der TTS-Perforator war auf diesem Wege ein wichtiger Baustein.

Die Associated Press verfügte erst ab 1951 über den ersten Teletypesetter und erst 1962 wurden die Teletypesetter der AP miteinander vernetzt.

In Deutschland begann die erste Anwendung von TTS-Setzmaschinen 1947 in einer US-Militär-Druckerei.

„Die erste deutsche Linotype für TTS war die Linotype Quick, ein modifiziertes Modell 5c, auf der Drupa 1954. Die Quick-Modelle wurden durchaus angenommen und erreichten einen Anteil von etwa 25 Prozent bei den Neubestellungen.“

Winfrid Glocker: Die deutschen Linotype-Modelle Teil 3. Ein Viertel mit Lochstreifen, drei Viertel manuell gesteuert (1954–1976) JfD Herausgegeben vom Internationalen Arbeitskreis Druck- und Mediengeschichte Neue Folge 24. Jg. (2018) Sonderausgabe

1965 wird auf der TPG in Paris von Dr. Ing. Rudolf Hell das erste digitale Setzsystem Digiset der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Der Blog-Artikel wird fortgesetzt.

Literaturangaben
  1. Sepp Dußler, Fritz Kolling: Moderne Setzerei. 4. Aufl. 1974
  2. Bernhard Laufer: Vom Federkiel zum Satzcomputer. Die Geschichte der Textreproduktion 1987,
  3. Winfrid Glocker: Die deutschen Linotype-Modelle Teil 3. Ein Viertel mit Lochstreifen, drei Viertel manuell gesteuert (1954–1976). In: JfD Herausgegeben vom Internationalen Arbeitskreis Druck- und Mediengeschichte Neue Folge 24. Jg. (2018) Sonderausgabe.
  4. https://letterpresscommons.com/monotype/ Aufgerufen am 06.08.2020
  5. David Mac Millan: A Field Guide to the Teletypesetter (pdf)
  6. The Teletype Story Firmenprospekt von 1957
  7. Codes that Don’t Count Some Printing. Telegraph Codes as Products of their Technologies (With Particular Attention to the Teletypesetter). http://www.circuitousroot.com/artifice/telegraphy/tty/codes/ zuletzt aufgerufen am 06.08.2020
  8. The Reader View of Wikipedia Wikipedia Page : Teleprinter Aufgerufen am 06.08.2020

Zwischen Morsecode und Fonttechnologie Teil 4 : Der Hellschreiber

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Font-Technolgie Teil 2: Von der Schreibmaschine zum Fernschreiber

Abbildung 1: Inventar-Nr.: NKg/00329 Künstler: Dänemark, Kopenhagen, Rasmus Malling Hansen (1835-1890) Gegenstand: Skrivekugle (Schreibkugel) des Nietzsche, Friedrich (1844-1900) Datierung: Um 1882 Technik: Feinmechanikerarbeit, Gravur Material: Messing, Stahl

„Diese Maschine ist delicat wie ein kleiner Hund und macht viel Noth – und einige Unterhaltung.“

Dieses Urteil fällte Friedrich Nietzsche am 17.03.1882 über seine erste Schreibmaschine. Sie funktionierte ganz mechanisch, bereitete ihm aber offensichtlich technische Probleme, denn er schrieb am 23.03.1882,

„die Schreibmaschine verweigert seit vorgestern ihren Dienst; ganz rätselhaft! Alles in Ordnung! Aber kein Buchstabe ist zu erkennen.“

Zit. nach: Monika Disser M.A.: Friedrich Nietzsche und das Experiment Schreibmaschine.

Heute haben PC und Tablets die Schreibmaschine längst ersetzt. In der Genealogie des Computers und der digitalen Schriftenfonts zeigt sich aber noch die technikhistorische Spur zwischen der Mechanik der Typenhebel einer Schreibmaschine und den heutigen Computerschriften in PCs, Tablets und Smartphones. Das Ziel dieses 2. Teils des Blog-Beitrags ist es, diese Spur wiederzufinden.

Ohne Fernschreiber und Lochstreifen hätte die Entwicklung zur Digitalität der Computerschriften und Setzverfahren im 20. Jahrhundert nicht stattgefunden. Die technikhistorischen Details, die der Fernschreiber nach seiner Erfindung für die digitale Font-Technologie hatte, betrachtet der 3. Teil des Blog-Artikels.

Innovation des Schreibens durch die Schreibmaschine

Technische Innovationen entstehen selten aus dem Nichts. Es sind äußere Impulse, die Ideen zu Neuerungen virulent werden lassen. Handwerk und Handel, die sich bereits seit dem 13. Jahrhundert auszuweiten begannen, hatten zur Folge, dass in den Kontoren der Kaufleute die manuelle Schreibarbeit immer mehr anstieg. Zur Absicherung der Risiken während des Fernhandels wurden Versicherungsverträge geschlossen und die Finanzierung der Projekte erforderte immer mehr Korrespondenz mit Banken. Als im 19. Jahrhundert mit der Beseitigung der Zünfte Handel, Handwerk und Wissenschaft stärker zusammenwuchsen, wurde die Bürotätigkeit nicht mehr allein eine spezifische Tätigkeit des Handels, sondern weitete sich in allen Gewerben, vorrangig in den Fabriken der Städte explosionsartig aus. Der Nährboden für die Idee der Mechanisierung der Bürotätigkeit war damit geschaffen. So ist erklärlich, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zeitgleich und weitgehend unabhängig voneinander, Patentvorschläge zur Ökonomisierung des Schreibens durch die Schreibmaschine virulent wurden.
Es ist die profane Tastatur, deren Einsatz die Erfinder im 19. Jahrhundert auch zu innovativen Ideen in der Druck- und Mediengeschichte inspirierten. Was im Büro die Monotonie der Schreibarbeit durch ihre Mechanisierung erleichtern konnte, war das nicht auch für den Bleisatz tauglich? Ihr Einsatz bei der Texterfassung im Bleisatz gab dem Übergang von Gutenbergs Handsatz zum Maschinensatz einen gehörigen Impetus.
Die Tastatur der Schreibmaschine mechanisierte nicht nur die Büroarbeit. Auch Buchautoren nutzten die Schreibmaschine; so wurde aus dem handgeschriebenen Manuskript ein Typoskript. Schließlich schickte die Erfindung der Drucktypen-Telegrafen-Tastatur auch die Morsetasten bald in Rente.
Schon in der Antike erfunden, entfaltete die Tastatur aus den oben erwähnten Gründen erst im 19. Jahrhundert ihr innovatives Potential in der Mediengeschichte.
Eine einreihige Tastatur kam bereits für die Hydraulis zum Einsatz, einer Wasserorgel aus dem 3. Jhd. v. Chr., deren Erfindung dem Techniker Ktesibios zugeschrieben wird. Tastaturen mit mehreren Tastenreihen waren in Europa seit etwa dem 9. Jahrhundert im Orgelbau bekannt. Was bei Musikinstrumenten so gut funktionierte, konnte das nicht auch auf Buchstaben Anwendung finden? Diese Frage beantwortete 1714 erstmalig der Wasserwerksingenieur Henry Mill, als er eine Schreibmaschine zum Patent anmeldete. Ihre genaue Konstruktion ist allerdings nicht überliefert. Wahrscheinlich wurde sie wohl auch nie gebaut. Auch das Modell des badischen Forstmeisters Karl Freiherr von Drais, der 1830 eine Schreibmaschine baute, bei der die Buchstaben „wie Messerlein von unten heraufkam(en),“ ist nicht mehr erhalten. Die erste nachweislich auch gebaute Schreibmaschine stammt von Pellegrino Turri (1808).
Im 19. Jahrhundert war die Zeit offenbar reif für die Mechanisierung des Schreibens. Es gab, wie so häufig, viele Erfinder, die im 19. Jahrhundert am Projekt der Mechanisierung des Schreibens teilhaben wollten. Zu ihnen gehört Xavier Progin aus Marseille, der 1833 sein Modell zum Patent anmeldete. Konstruktionselemente wie Typenhebel, Typenhebelführung, Umschaltung für Groß- und Kleinschreibung sowie ein Farbband kennzeichneten das „Cembalo srivano“, das bereits 1855 der Rechtsgelehrte Guiseppe Ravizza aus Novara als Schreibmaschine zum Patent angemeldet hatte (Abbildung 2). Bei seiner Erfindung erinnerte nicht nur der Name an die Klaviatur eines Musikinstrumentes, seine Schreibmaschine hat auch äußerlich damit eine gewisse Ähnlichkeit.

Abbildung 2: Cembalo scrivano 1855
Quelle: https://nat.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=175068)

Ein Südtiroler Zimmermann, Peter Mitterhofer, arbeitete zwischen 1864 bis 1869 ebenfalls am Projekt Schreibmaschine. Dessen erstes Modell (Abbildung 3) ist aus Holz, was bei seiner beruflichen Tätigkeit nicht verwundert, und weist 30 Tasten mit Großbuchstaben auf. Die Buchstaben der Schreibmaschine waren punktiert, statt mittels eines Farbbandes das Schriftbild auf das Papier zu übertragen wurde das Papier perforiert.

Abbildung 3: Schreibmaschine von Peter Mittenhofer (1864)
Quelle: Wikipedia

 

Die von Nietzsche verwendete Schreibkugel (Abbildung 1) wurde 1867 von dem Pastor Malling Hansen aus Kopenhagen erfunden. Die von ihm verwendeten Typenstäbe in der Halbkugelschale waren jedoch ein Konstruktionsprinzip, das sich nicht durchsetzen sollte.
In Kleinsteuber’s Machine Shop in Milwaukee arbeiteten der Drucker und spätere Herausgeber der Bender’s Newspaper Christopher Latham Sholes. Zusammen mit Carlos Glidden und Samuel W. Soulé entwickelten sie eine Schreibmaschine, die sie am 14. Juli 1868 zum Patent anmeldeten. Die Tastatur ihrer Schreibmaschine war ein Kompromiss aus technischer Funktionstüchtigkeit und Benutzerfreundlichkeit. Sie war nicht mehr nach dem Alphabet geordnet, wie das bei vielen anderen Konstruktionsvorschlägen dieser Zeit der Fall war. Sie war aber auch nicht danach aufgebaut, dass die am häufigsten in der englischen Sprache vorkommenden Buchstaben am leichtesten erreichbar waren. Ihr Konstruktionsprinzip konzentrierte sich stattdessen darauf, dass sich die Buchstaben dicht beieinanderliegender Typenhebel nicht verhakten. Diese Tastatur war daher ein Kompromiss aus technischer Notwendigkeit und Benutzerfreundlichkeit. Sie bekam später den Namen QWERTY-Anordnung, benannt nach den ersten sechs Tasten der obersten Buchstabenreihe auf der amerikanischen Tastatur (Abbildung 4). Das Patent für diese Schreibmaschine von Latham Sholes, Carlos Glidden und Samuel W. Soulé war zwar noch nicht vollkommen ausgereift, aber es war zu dieser Zeit das einzige, welches sich für eine Serienproduktion eignete. Die Tastaturanordnung hat sich seither bis zur Tastaturanordnung der Computer, Tablets und Smartphones erhalten, obwohl es schon lange keine klemmenden Typenhebel in Computern mehr gibt.

Abbildung 4: Schreibmaschine von Sholes und Gliddens 1876 (USA)
Quelle: wikipedia

Der Waffen- und Nähmaschinenhersteller E. Remington & Sons suchte nach dem Ende des amerikanischen Sezessionskrieges ein Ersatzprodukt für seine Waffenproduktion und fand sie in der Schreibmaschine.  Die erste in Serie produzierte Schreibmaschine stammt deshalb von Latham Sholes und Carlos Glidden. Sie wurde von E.Remington & Sons ab 1874 in kleiner Serie hergestellt. 1878 folgt die Remington II, die bereits über die Umschaltung für Groß- und Kleinbuchstaben verfügte.

Das primäre Interesse der Unternehmen am Projekt Schreibmaschine galt einer erhofften Auslastung der Fertigungskapazitäten. Ein unternehmerisches Interesse an der Verbesserung des Produktes Schreibmaschine blieb zumeist den kurzfristigen Diversifizierungskalkülen untergeordnet und sollte sich auch später nur gelegentlich- und für die generelle technische Entwicklung eher folgenlos – einstellen.“

Andreas Knie: Generierung und Härtung technischen Wissens: Die Entstehung der mechanischen Schreibmaschine WZB Discussion Paper, No. FS II 91-103

1897 schlossen sich die größten amerikanischen Schreibmaschinenhersteller von Typenhebelmaschinen zum Kartell der Union Typewriter Company zusammen. Unter der Führung der „Standard Remington“ konsolidierte sich der Stand der Technik in der Schreibmaschinenindustrie. Der amerikanische Standard wirkte bis nach Europa, wohin er durch Lizenzverkauf exportiert wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden in den in Deutschland aufkommenden ‘Psychotechnischen Arbeitsstudien’ zum Thema Schreibmaschinentastatur bemängelt, dass die aus den USA übernommene ‘Universaltastatur’ QWERTY bezüglich der Häufigkeitsverteilung der Buchstaben und Silben in der deutschen Sprache sowie wegen der unterschiedlich starken Belastbarkeit der Hände ungeeignet sei. Alle Versuche zur Änderung des Tastenfeldes scheiterten jedoch trotz dieser klaren Diagnose. Man einigte sich 1928 im Normenausschuss mit der DIN 2112 darauf, die amerikanische Universaltastatur QWERTY grundsätzlich beizubehalten und lediglich das ‘Y’ gegen das ‘Z’ auszutauschen, sodass die deutsche Tastatur nun mit QWERZ bezeichnet wurde.

Wie vorher schon in Amerika etablierten sich nach Einführung der amerikanischen Schreibmaschinen auch in Deutschland schnell Methoden zum Erlernen des Zehnfingersystems. Diese Methoden standen der Änderung des Tastaturlayouts sicherlich ebenso im Wege wie vorher in den USA.

Daraus erklärt sich, dass die QWERTY- oder QWERTZ-Tastaturbelegung bis heute bei allen PCs und den in Touchscreens schamhaft versteckten Tastaturen der Tablets und Smartphones erhalten hat. Hier ist die technikhistorische Spur zwischen Schreibmaschine und Computer am klarsten erkennbar.

Innovation im Bleisatz durch die Tastatur der Setzmaschine

Die Tastatur ist im 19. Jahrhundert auch ein Hauptdarsteller bei der Mechanisierung des Bleisatzes durch Setzmaschinen. William Church hat zwischen 1804 und 1822 an der Entwicklung einer Typensetzmaschine gearbeitet, die den Setzvorgang durch Verwendung von Tasten automatisieren sollte. (Abbildung 5)

Abbildung 5: Typensetzmaschine für Bleiletter von William Church 1822
Quelle: Wikipedia

Die Drucktypen dieses Entwurfs seiner Setzmaschine befanden sich in einem Behälter, der durch den Druck auf eine Taste die unterste Type freigab. Das wesentliche Merkmal des ersten Patents für eine Setzmaschine war im Jahre 1822 durch die Verwendung einer Tastatur als Innovation gekennzeichnet. Diese erste Typensetzmaschine war noch weit entfernt von der Linotype- Zeilengieß- und Setzmaschine aus dem Jahr 1886, die den Maschinensatz im 19. Jahrhundert zum Durchbruch verhalf. Aber die vielen bis dahin erfolgten Patentvorschläge für Setzmaschinen begannen gleichwohl mit der Tastatur, die zu Beginn der Industrialisierung den Reigen der Patentvorschläge eröffnet hatten.

Die Linotype Zeilengieß- und Setzmaschine kam zuerst in Amerika auf den Markt. Ihre Tastatur unterschied sich allerdings maßgeblich von der QWERTY-Tastatur von Sholes und Gliddens Schreibmaschine. Sie umfasste die Groß- und Kleinbuchstaben der englischen Sprache gemeinsam ohne Umschaltung auf der Tastatur. Der linke Tastenblock enthielt die Großbuchstaben und der rechte Tastenblock die Kleinbuchstaben. Der mittlere blaue Tastenblock enthielt Tasten für das Ausschließen der Zeilen, Sonderzeichen, Interpunktionszeichen, Akzente und weitere Steuertasten für die vielfältigen Maschinenfunktionen. (Abbildung 6)

Abbildung 6: Linotype-Tastatur 1886
Copyright 2006 Marc Dufour for Wikimedia

Die Anordnung der Tasten für die Klein- und Großbuchstaben erfolgte bei der Linotype, im Unterschied zur Schreibmaschine, allein danach, dass die häufigsten Buchstaben der englischen Sprache für den Maschinensetzer am schnellsten erreichbar waren. Die häufigsten Zeichen lagen für die Klein- und Großbuchstaben jeweils in der ersten Spalte oben links, gingen dann senkrecht runter und setzen sich in der zweiten dritten und vierten Spalte fort. Daher wurde diese Tastaturbelegung nach der Reihenfolge der ersten sechs untereinander angeordneten Buchstaben mit ETAOIN bezeichnet und nicht mit QWERTZ wie bei der Schreibmaschine. Eine Linotype-Setzmaschine war eben auch keine Schreibmaschine. Sie ging technikhistorisch ihren eigenen Weg.

Anders war es dagegen bei der von Tolbert Lanston 1897 erfundene Monotype-Setzmaschine. Der Taster für die Monotype verwendete die QWERTY bzw. QWERTZ-Tastatur gleich viermal, um damit das Setzen mit einer Grundschrift und weiteren Auszeichnungsschriften gleichzeitig zu ermöglichen. Die Tatsache, dass der Taster der Monotype von der Gießmaschine getrennt war und damit eine große Nähe zur Schreibmaschine aufwies, könnte ein Grund für die zur Linotype unterschiedliche Tastaturbelegung gewesen sein. Aber das bleibt bloße Spekulation.  

Abbildung 7: Monotype-Taster (1965)
Quelle: wikipedia

Nahezu alle Patente oder Vorschläge für Setzmaschinen verwendeten im 19. Jahrhundert eine Tastatur als Ersatz für den Griff des Schriftsetzers in den Setzkasten. Die Tastatur wurde, wenn auch auf andere Weise als bei der Schreibmaschine, nun zur Eingabeschnittstelle von Setzmaschinen und revolutionierte damit den Bleisatz.

In die Ferne schreiben

Die elektrische Morsetelegrafie breitete sich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Europa schnell aus. Der Welthandel und die Kolonialexpansion machten einen sicheren Transport von Waren und schnelle Übermittlung von Informationen erforderlich. Entlang der Eisenbahnlinien entstanden Telegrafenleitungen. 1851 wurde die Kabelverbindung London Paris über den Ärmelkanal eingerichtet. Die Verteilung der Telegrafenlinien im Binnenland erfolgte über Relaisstationen, die sich zu großen Verteilungszentren für Nachrichten entwickelten. Im Relaiszentrum der Western Union Telegraph Company von Chicago arbeiteten im Jahr 1900 knapp 900 Telegrafisten an der Vermittlung der ein- und ausgehenden Telegramme gleichzeitig.[5]

Nach mehreren vergeblichen Versuchen zwischen 1854 und 1866 gelang Cyrus Field und Frederic N. Gisborne die Verlegung eines Unterseekabels zwischen Irland und Neufundland. Damit war die erste transatlantische Telegrafenverbindung zwischen den Kontinenten Realität geworden.

Entscheidend für die Weiterentwicklung der Digitalität der Schrift wurde die Verwendung von Lochstreifen in der Morsetelegrafie. 1858 baute Charles Wheatstone in London einen ersten “lochenden Telegraphen”. Statt die Morsezeichen direkt zu senden, wurde der zu sendende Text nun erst auf einem Lochstreifen gestanzt und dadurch gespeichert. Der Lochstreifen wurde anschließend von einem Lochstreifenleser mechanisch abgetastet, in elektrische Signale gewandelt und erst dann übertragen. Die Geschwindigkeit der telegrafischen Übermittlung mit Handtastung erreichte damals bis zu 15 Wörter je Minute. Mit dem Lochstreifen konnte die Datenübertragungsrate mittels Lochstreifen verzehnfacht werden.

Technikhistorisch war der Lochstreifen für die Telegrafie ebenso wie für die Digitalität der Schrift eine Zäsur, denn die zu telegrafierenden Texte wurden dadurch zu Daten, ein wichtiger Schritt auch für die digitale Fonttechnologie. Anders ausgedrückt wurden Schriftzeichen dadurch zu maschinenlesbarer Software. Schriftzeichen wurden damit von der Hardware und ihren schnell flüchtigen elektrischen Signalen unabhängiger. Das Unikat der elektrischen Signalübertragung wurde auf einem Papierstreifen dupliziert und konnte sich dadurch verselbständigen.

Die Verwendung von Lochstreifen oder Lochkarten für die Steuerung einer Maschine war in der Mitte des 19. Jahrhunderts durchaus nicht neu. Bereits 1805 erfand der Franzose Joseph-Marie Jacquard (1752–1834) einen Webstuhl, der durch je eine Lochkarte für jeden Schuss gesteuert wurde. Die aneinandergereihten Lochkarten enthielten das programmierte Muster (Jacquardmusterung), das von der Maschine automatisch gewebt werden konnte.

In der Telegrafie wurde dieser Vorgang nun erstmalig auf die Schaltung elektrischer Signale übertragen. Das hatte den Vorteil, dass mehrere Nachrichten parallel aufgenommen werden konnten. Der zweikanalige Lochstreifen hatte in der Mitte eine durchgehende Transportlochung und fand noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts Anwendung (Abbildung 8).

Abbildung 8: Wheatstone Lochstreifen
Quelle: https://www.hell-kiel.de/de/hell-entwicklungen/51-nachrichtentechnik/morsegeraete/105-tastenlocher-tl-1-1950

Das Wheatstone-Prinzip wird in der Betriebsanleitung wie folgt beschrieben:

„Ein gelochter Papierstreifen wird mittels einer Kontakteinrichtung von 2 Fühlhebeln abgetastet. Das Vorbeiführen des Papierstreifens mit eingestanztem Zeichen an den Fühlhebeln geschieht durch einen Motor mittels regelbaren Getriebes.
Das Paar zweier gerade übereinander stehender Löcher ergibt ein Punktzeichen. Das Paar schräg zueinander stehender Löcher, wo das untere Loch nach rechts versetzt ist, ergibt ein Strichzeichen.
In dem Augenblick, wo sich ein Loch des laufenden Papierstreifens über dem Fühlschuh eines Tasthebels befindet, wird das Senderrelais gesteuert. Das Senderrelais wird nicht direkt, sondern zwecks Einhaltung gleichmäßiger Stromstöße für die Morsezeichen über einen Korrektionskollektor getastet.
Die durch die Lochungen des Streifens gesteuerten Fühlhebel bereiten nur die Kontaktgabe vor, während die genaue Bemessung der Stromstöße durch den Korrektionskollektor erfolgt. Ein Strichsymbol dauert also ¾ Umdrehung des Korrektionskollektors, das Punktsymbol nur ¼ Umdrehung.
Ist der Geber in Betrieb, ohne dass ein Papierstreifen aufliegt, so werden durch die Tastvorrichtung nur Punkte getastet.“

Quelle: Schnellmorsegeber, D.(Luft)T.9204, Februar 1942, Luftnachrichtentruppe. Zitiert nach: https://www.qsl.net/dk5ke/telegraf.html

Aus etwa gleicher Zeit wie der “lochende Telegraf” datierte die Erfindung des Typendrucktelegrafen, den David Edward Hughes 1855 der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Mit dem Typendrucktelegrafen war es möglich, die Buchstaben des Alphabets direkt über Tasten ein- und auszugeben. Zur Eingabe verfügte der Typendrucktelegraf über eine Klaviatur mit 28 zweireihig angeordneten Tasten. Mit diesen Tasten wurde die zu telegrafierende Nachricht im Klartext eingegeben. Die Ausgabe des Textes erfolgte über die angesteuerten Drucktypen auf einen Papierstreifen, der von einer Papierrolle abgerollt wurde.

Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu erwähnen, dass Hughes Musiklehrer war und eigentlich beabsichtigte, eine Maschine zu entwickeln, mit der er Musik speichern und übertragen konnte (Abbildung 9).

Abbildung 9: Drucktelegraf von Hughes 1855
Quelle: https://sammlungen.museumsstiftung.de/drucktelegrafen/

 

Das hatte bedeutende Vorteile, denn mit dem Hughes-Drucker konnte die Schulung eines Telegrafen zur Beherrschung des Morsecodes entfallen. Diese Geräte waren jedoch sehr teuer und kamen deshalb nur in großen Telegrafenämtern zum Einsatz.

Auf dem Internationalen Telegrafenkongress 1868 in Wien wurde der Hughes-Drucktelegraf weltweit eingeführt. Um 1900 gab es in Europa mehr als 2.300 Drucktelegrafen, die bis etwa 1930 bei vielen Post- und Telegraphenverwaltungen im Einsatz blieben und erst durch den Fernschreiber verdrängt wurden.

Wheatstones lochender Telegraf verwendete bereits einen echten Binärcode, d.h. die Morsezeichen aus Punkten und Strichen wurden auf dem Lochstreifen durch Löcher als gestanzt oder nicht gestanzt repräsentiert. Morses bzw. Vails Buchstabencodierung selbst blieb dabei jedoch unverändert. Das bedeutete, dass die Codierung der Zeichen bei Morse unterschiedlich lang war, was für eine digitale Codierung zu kompliziert wäre. Die Zeichen waren, wie schon erwähnt wurde auch nicht binär, weil sie aus langen und kurzen Signalen sowie aus Pausen bestanden.

Eine weiter Innovation zur Codierung des Alphabets wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entwickelt. Jean-Maurice-Émile Baudot entwarf 1870 einen Telegrafen, der die Buchstaben statt mit der Morsecodierung mit einer gleich langen binären Codierung für jeden Buchstaben vorsah. Jean-Maurice-Émile Baudot rekurrierte damit auf Francis Bacons Grundidee von 1678  und brachte damit nicht nur die Telegrafie, sondern auch die digitale Schriftcodierung ein wesentliches Stück voran, denn die Decodierung der Zeichen beim Empfänger wurde damit wesentlich vereinfacht.

Abbildung 10: Baudot-Lochstreifen mit 5 Kanälen
Quelle: Wikipedia

Zur Eingabe der Zeichen auf der Sendeseite dienten bei Baudot fünf Tasten, die mit dem Zeige- und Mittelfinger der linken und dem Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand bedient wurden. Zur Übertragung des fünfstelligen Binärcodes mussten die fünf Tasten auf der Tastatur gleichzeitig gedrückt bzw. nicht gedrückt werden, um die Kombination vom Gerät aus als eine Folge von gesetzten und nicht gesetzten Stromimpulsen zu senden. Der Empfänger las die ankommenden Impulse dagegen hintereinander von I bis V. Auf diese Weise konnten Geschwindigkeiten von 180 Zeichen pro Minute erzielt werden. Auf der Empfängerseite wurde durch eine elektromagnetische Vorrichtung ein Typenrad angesprochen, das von den empfangenen elektrischen Signalen jeweils in die entsprechende Position gebracht wurde, um das angesprochene Zeichen auf einem Papierstreifen in Klarschrift zu drucken. (Abbildung 11)

Abbildung 11: Baudot-Telegraf 1870
Quelle: http://www.telegraphsofeurope.net/page47.html

Es ging Baudot darum, dass seine Erfindung die Buchstaben der Nachrichten automatisch codieren und zugleich decodieren konnte.

Jean-Maurice-Émile Baudot nutzte außerdem eine weitere Möglichkeit, um die Menge der übertragenen Zeichen durch einen Multiplexer weiter zu steigern. Der Multiplexer hatte die Aufgabe, das Senden mehrerer Sendestationen zu koordinieren, indem jedem Sendegerät ein Zeitfenster zugeordnet wurde. Innerhalb dieses Zeitfensters wurde immer nur ein Sendegerät auf Sendung zum Empfänger geschaltet, während die anderen Sender in dieser Zeit blockiert waren (Zeitmultiplexverfahren). Nach dem Rotationsprinzip wurde im ersten Zeitfenster der erste Sender verbunden, im zweiten Zeitfenster der zweite und so fort. Der Multiplexer ermöglichte es im sogenannten Duplexbetrieb, eine physikalische Leitung in zwölf virtuelle Leitungen aufzuspalten.

Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass der Baudot-Code über einen Umschaltcode wie bei einer Schreibmaschine verfügte. Der Baudot-Code schaltete jedoch nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben um, sondern zwischen einer Buchstaben- und einer Zahlentabelle:

Abbildung 12: Baudot-Codierung 1890
Quelle: Dirk W. Hoffmann: Einführung in die Informations und
Codierungstheorie, S.39

Die Zeichencodierung von 5 Bit ließ lediglich die Codierung von 25, also 32 Zeichen zu, was nicht ausreichend war, um Groß- und Kleinbuchstaben zusammen mit Ziffern, Interpunktionszeichen und Sonderzeichen zu codieren. Trotz dieser Einschränkung und wegen der schnellen internationalen Verbreitung der Telegrafie wurde bald der Ruf nach technischen Standards mit internationaler Gültigkeit laut. Der Ruf wurde 1865 erhört.

Am 17. Mai 1865 wurde der Internationale Telegraphenverein ( Comité Consultatif International Télégraphique et Téléphonique [CCITT]) gegründet und gehörte damit zur zweitältesten internationalen Organisation. Der Baudot-Code wurde von der CCITT als „CCITT-1-Code“ international als Standard vereinbart.

Frederick George Creed arbeitete 1885 als Angestellter bei der South American Telgraph and Cable Company in Chile. Er dachte über eine weitere Vereinfachung des Baudot-Systems nach und überlegte, ob es nicht einen besseren Weg zur Eingabe der Buchstaben über die Tastatur geben könnte. Er kündigte seinen Job und ging nach England, um seine Ideen in die Tat umzusetzen.

“Mit Hilfe einer alten Schreibmaschine, die auf dem Markt in der Sauchiehall Street für 15 Schilling (75 Pence) gekauft wurde, nahmen seine Ideen Gestalt an.”

Quelle: http://www.samhallas.co.uk/telhist1/telehist2.htm
Abbildung 13:telegraf mit Schreibmaschinentastatur von Creed

 

So war Frederick George Creed der Erste, der dazu beigetragen hatte, dass die Telegrafie und die Schreibmaschine technikgeschichtlich miteinander vereint wurden. Es war eine QWERTY(Z)- Schreibmaschinentastatur, mit der er für die Symbiose zwischen Universal-Schreibmaschinentastatur und Telegrafie sorgte.

Eine weitere maßgebliche Verbesserung auf dem Weg der Buchstaben in die Digitalität entwickelte 1901 Donald Murray. Donald Murray verwendete ebenfalls eine Schreibmaschine mit QWERTY-Tastaturbelegung. Sein Verdienst war es, den Code von Baudot entscheidend zu verändern und dadurch die Nachrichten-Übertragung über Lochstreifen zu optimieren (Mehr dazu im Teil 3 dieses Blog-Beitrags).

Durch Drücken nur einer Taste wurde bei Murrays Maschine die zugehörige Zeichenfolge von fünf Lochkombinationen – individuell für jedes Zeichen – in einen Lochstreifen gestanzt. Ein darin integrierter Lochstreifenleser tastete den Lochstreifen sofort ab und sendete den Code mit einer Geschwindigkeit von etwa 1260 Buchstaben pro Minute zum Empfänger. Murray fügte für die Verwendung von Blattschreibern, statt Endlosschreibern zusätzliche Steuerzeichen wie beispielsweise für Wagenrücklauf und Zeilenvorschub ein. Dieser so veränderte Murray-Code wurde 1932 von der CCITT als Internationales Telegrafenalphabet Nr. 2 (kurz CCITT-2 oder ITA2) standardisiert (siehe auch Teile 3 dieses Blog-Beitrags). Der ursprüngliche Baudot-Code wurde als International Telegraph Alphabet No. 1 (ITA1), in CCITT-1 umbenannt und blieb als Standard erhalten.

Die entscheidenden Bausteine für die Entwicklung des Fernschreibers waren damit komplett. Fernschreiber waren Schreibmaschinen, in denen ein Lochstreifenleser und ein Lochstreifenstanzer integriert waren. Sie fungierten als Sende- und Empfangsstation gleichzeitig. Mit der Schreibmaschinentastatur wurde der Text eingegeben und zur Kontrolle auf Papier geschrieben. Gleichzeitig wurde der eingegebene Text als CCITT-2-Code in den Lochstreifen gestanzt, der dann gesendet wurde. Zum Datenempfang wurde zuerst ein Lochstreifen gestanzt und anschließend sofort auf der Schreibmaschine ausgedruckt.

Abbildung 14: Fernschreiber Siemens T 100, 1960
Quelle:Von Nightflyer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8923219

Mit der Vereinigung von Schreibmaschinentastatur und Murray-Codierung vollzog sich technikhistorisch die Metamorphose von der mechanischen Schreibmaschine im 19. Jahrhundert zum Fernschreiber im 20. Jahrhundert. Mechanische Schreibmaschine und Telegrafie sind dabei zusammengewachsen. Die einzelnen Buchstaben des Alphabets wurden nun über elektrische Codes adressierbar. Das Buchstabenbild bestand aber weiterhin aus den materiellen Drucktypen des Fernschreibers. Sie druckten noch im Hochdruck wie mit Gutenbergs Lettern. Dennoch gehörte es nicht zum Treppenwitz der Weltgeschichte, dass der Fernschreiber ein unverzichtbares Werkzeug war, um den Buchstaben im 20. Jahrhundert zu ihrer digitalen Repräsentation im Computer, dem Tablet oder dem Smartphone zu verhelfen. Diese Geschichte lesen sie im 4. Teil dieses Blog-Artikels.

Literatur:

V. Aschoff: Geschichte der Nachrichtentechnik Bd. 2. Nachrichtentechnische Entwicklungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1995

IADM: Der maschinelle Bleisatz. Aspekte der Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Jahrestagung des Internationalen Arbeitskreises Druck- und Mediengeschichte in Leipzig. 2008

Till A. Heilmann: Textverarbeitung. Eine Mediengeschichte des Computers als Schreibmaschine. 2012

Dirk Hoffmann: Einführung in die Informations- und Codierungstheorie. 2014

Andreas Knie: Generierung und Härtung technischen Wissens: Die Entstehung der mechanischen Schreibmaschine WZB Discussion Paper, No. FS II 91-103

Zwischen Morsecode und Fonttechnologie Teil 3. Lochstreifen und Perforator übernehmen das Kommando

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Font-Technologie Teil 1: Die Elektrifizierung des Alphabets

 

Abbildung 1. Erstes Morsetelegramm von 1837

Am 4. September 1837 demonstriert der Maler Samuel Morse im Repräsentantenhaus in Washington die erste Fernübertragung einer Nachricht mit elektromagnetisch kodierten Zeichen. Die Übertragung des kryptischen Zahlencodes “214-36-2-58-112-04-01837” ergibt nach der Dekodierung durch den Empfänger den Satz „Successful experiment with telegraph. September 4th 1837.“ ( siehe Abbildung 1 oben)

Mit der ersten öffentlichen Demonstration eines Schreibtelegrafen zur Übertragung einer elektrisch kodierten Textbotschaft begann im 19. Jahrhundert die Epoche der digitalen Medien. Die Elektrizität machte dies möglich, aber die elektrischen Signale waren noch nach analog. 

Nahezu zeitgleich zur Mechanisierung des Handsatzes durch Bleisetzmaschinen und der Erfindung der Schreibmaschine, begann mit Samuel Morse die analoge Elektrifizierung der Buchstaben. Sie ist die Basis aller Digitalität[1] der Medien.

50 Jahre vor der Erfindung des elektrischen Lichts hatte der elektrische Schreibtelegraf durch Morse die technikhistorische Epoche der Computerisierung eingeleitet. Es bedurfte jedoch noch weiterer 100 Jahre bis zur Demonstration des ersten elektromagnetischen Großrechners Mark I und weitere 20 Jahre bis zur öffentlichen Vorstellung der Digiset Lichtsetzanlage der Fa. Dr.-Ing. Rudolf Hell mit digitaler Fonttechnologie im Jahre 1965.

Die Mechanisierung des Bleisatzes und des Schreibens überlagerten sich aus technikhistorischer Perspektive auf dem Weg in die Digitalität in vielfältiger Weise. Wer heute einen Computer anstelle einer Schreibmaschine nutzt, dem wird kaum mehr bewusst sein, dass in den Anfängen der Computerisierung „telegrafierenden Schreibmaschinen“, sogenannten Fernschreiber, die Programmierung von Großrechnern erst ermöglichte, um ihnen Gutenbergs Typografie binär beizubringen.

Naturwissenschaft als Motor der Mediengeschichte

Einen ganz entscheidenden Anteil am Beginn der Elektrifizierung der Medien hatte die seit dem 17. Jahrhundert sich entwickelnde moderne Naturwissenschaft. Ein erster Durchbruch zur Erforschung der Elektrizität erfolgte 1672 durch den deutschen Physiker Otto von Guericke. Er konnte mit seiner Elektrisiermaschine die Aufladung einer drehbaren Schwefelkugel durch Reibung seiner Hände an der sich bewegenden Kugel bewirken. 1706 fand Francis Hauksbee heraus, dass Glas anstelle von Schwefel denselben Elektrisierungseffekt erfüllt. (Abbildung 2)

Abbildung 2: Hauksbeeks Kugelelektrisiermaschine von 1709

Im 18. Jahrhundert, der Epochen des Barock und des Rokkoko, wurde es zur Mode, in Vorträgen, vornehmen Salons und auf Jahrmärkten die Wirkungen der entdeckten Erzeugung und Speicherung von statischer Elektrizität durch Elektrisiermaschinen vorzuführen.

1745/46 entdeckten Ewald Georg von Kleist und Pieter van Musschenbroek das Kondensatorprinzip. In der später so genannten Leidener Flasche, die innen und außen mit Metallfolie bedeckt war und mit Wasser gefüllt wurde, konnte die durch eine Elektrisiermaschine erzeugte Elektrizität in der Flasche gespeichert werden. Um die gespeicherte Elektrizität jedoch an einem anderen Ort nutzen zu können, musste die Leidener Flasche physisch zu diesem Ort transportiert werden, denn die Leitung elektrischen Stroms durch Drähte über weitere Entfernungen war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts noch nicht möglich.

Die Erfindung der elektrische Telegrafie ist ohne die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Elektrizität und Magnetismus nicht zu denken. Diesen Zusammenhang entdeckte 1819 der an der damals dänischen Universität in Kiel tätige Hans Christian Oested, als er zufällig die Beobachtung der Ablenkung einer Magnetnadel durch einen stromdurchflossenen Draht machte. An der Erforschung dieses Zusammenhangs hatten aber ebenso Michael Faraday, Thomas A. Edison und Hendrik Antoon Lorentz ihren Anteil.

Eine für die elektrische Telegrafie erforderliche längere Verbindung mit elektrisch leitenden Drähten zwischen Sender und Empfänger aufzubauen gelang im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Eine dauerhaft betriebene überirdisch verlegte Blankdrahtverbindung über eine Länge von 1 km realisierte 1833 der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und der Physiker Wilhelm Eduard Weber zwischen ihren Arbeitsräumen in Göttingen.

Samuel Morses Apparatur zur Fernübertragung von Nachrichten mittels elektrisch kodierter Zeichen war eine erste auf diesen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Erfindung, die der Öffentlichkeit 1837 vorgestellt wurde. Die Zeit war reif dafür, denn es gab viele weitere Tüftler und Erfinder, die zum Teil unabhängig voneinander am Projekt zur Elektrifizierung der Medien ihren Anteil haben. Zu ihnen gehörten Gauß, Weber und Steinheil, Schilling, Cooke und Wheatstone sowie  Alfred Vail.

Die elektrische Telegraphie revolutionierte keineswegs nur die Nachrichtentechnik. Ihre technikhistorische Tragweite reicht bis zur Digitalität der Medien, denn die elektrische Kodierung von Schriftzeichen ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende technikhistorische Bedingung zur Entwicklung digitaler Fonts.

Elektrisches Kodieren und Schreiben von Buchstaben

Eine unregelmäßig aufgezeichnete gezackte Linie auf einem Papierstreifen des Empfängers repräsentierte 1837 die elektrische Kodierung der Nachricht durch Zahlen, die dekodiert werden mussten. Die Anzahl der mit dem Schreibtelegraphen von Morse in Gruppen aufgezeichneten Zacken stand für diese dekadischen Zahlen. Die Hardware, also Sende- und Empfangsgeräte waren über eine elektrische Leitung miteinander verbunden (siehe unteren und oberen Teil in Abb. 3).

Abbildung 3. Sender (unterer Teil) und Empfänger (oberer Teil) von Morses Schreibtelegrafen Quelle: V.Aschoff, Geschichte der Nachrichtentechnik Band 2
Nachrichtentechnische Entwicklungen in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts, S. 190

Die zu übertragenden Zeichen bestanden nur aus den 10 Ziffern des dekadischen Zahlensystems. Deren Bedeutung musste von dem Empfänger in einem Code-Buch nachgeschlagen werden. Im ersten Morsegerät wurden diese Zahlen mit einer unterschiedlichen Anzahl von Nocken mit verschieden großen Abständen repräsentiert. Die Nocken wurden auf die Sendeleiste “S” aufgesteckt und mit der Kurbel “K” bewegt (Abb.3). Sie bewirkten, dass der darüber befindliche Hebelarm “A” rechts angehoben wurde und dadurch am linken Ende des Hebels mit dem dort angebrachten Drahtbügel “gg” in zwei mit Quecksilber gefüllte Näpfchen tauchte. Das hatte zur Folge, dass die daran angeschlossene Batterie “B” kurzzeitig den Stromkreis zwischen Sender und Empfänger geschlossen hat.

Ein auf der Empfängerseite (oberer Bildteil) am Schreibstift angebrachter Magnet “E” zog bei geschlossenem Stromkreis den Schreibstift “G” kurzzeitig an und zeichnete eine Zacke auf den durch ein Uhrwerk “W” angetriebenen und auf einer Rolle “N” beweglichen Papierstreifen “P”. So wurde das elektrifizierte Zeichen wieder sichtbar.

Abbildung 3: Modell des Schreibtelegrafen nach Morse
Quelle:http://sammlung.ient.rwth-aachen.de/de/katalog/elektrische-telegrafie/schreibtelegraf-morse.html

Mechanische Bewegung auf der Sendeseite, so das Fazit, wurde beim elektrischen Schreibtelegrafen in einen elektrischen Impuls gewandelt. Nach dessen Übertragung zur Empfangsseite wurde dieser durch den neu entdeckten Elektromagnetismus durch einen Stift und Tinte auf dem Papier visualisiert. (Abbildung 4)

Abbildung 4: Funktionsprinzip des Schreibtelegrafen von Morse
Quelle: V.Aschoff, Geschichte der Nachrichtentechnik Band 2
Nachrichtentechnische Entwicklungen in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts, S. 190

Das “Committee on Commerce” gab zu der Vorführung Morses am 6. April 1838 ein wohlwollendes Urteil ab. Zum Bau einer ersten telegrafischen Versuchslinie zwischen Washington und Baltimore kam es aber erst im März 1843. Innerhalb dieser fünf Jahre hatte sich durch Morses Mitarbeiter Alfred Vail nicht nur der Telegraph konstruktiv erheblich verändert, sondern auch die Art der Kodierung deutlich vereinfacht. Mit der von Alfred Vail veränderten Gerätetechnik konnte die Visualisierung der kodierten Zeichen sehr vereinfacht werden. Sie erfolgte statt mit Zahlen-Codes nun mit Punkten, Strichen und kurzen Pausen. Lange Pausen wurden zur Markierung eines Wortendes eingesetzt (Abbildung 5).

Abbildung 5 Amerikanischer Morse-Code
Quelle:Dirk W. Hoffmann, Einführung in die Informations und Codierungstheorie, S.39

 

Dieser uns auch heute noch geläufige Morsecode, mit dem die Buchstaben des Alphabets und die Ziffern in einen unterschiedlich langen Code aus Punkten und Strichen standardisiert wurden, stammt also nicht von Samuel Morse, sondern von seinem Mitarbeiter Alfred Vail. Von ihm stammt auch die viel einfacher aufgebaute Morsetaste, wie sie noch lange bis ins 20. Jahrhundert hinein gebräuchlich war (Abbildung 6). Wie so oft in der Technikgeschichte blieb nicht der tatsächliche Ideengeber für Innovationen im historischen Gedächtnis, sondern lediglich der Name des Patentanmelders.

Der von Alfred Vail entwickelte Morsecode war jedoch kein echter Binärcode, der nur aus der Kombination von zwei Zeichen bestand, weil die Dauer des Signals und die Pausen zum wesentlichen Bestandteil der Codierung dazugehörten. Eine echte Binärcodierung schlug Francis Bacon bereits 1626 vor. Darauf wird später noch näher eingegangen.

 

Abbildung 6: Morsetaste der Firma G.Hasler (Bern) (ca. 1900). Diese Taste wurde bei den Schreibtelegrafen der Gotthardbahn eingesetzt. Quelle: Wikipedia

Die Urahnen der elektrischen Telegrafie

Die Telegrafie war im 19. Jahrhundert keine Neuigkeit. Die optische Telegrafie existierte bereits viel früher und konnte in dieser Zeit schon auf eine lange Geschichte bis in die Antike zurückblicken. Die dort gebräuchlichen Feuer, Ruf- und Trommelzeichen dienten schon in der Antike dazu, Nachrichten in die Ferne zu übertragen.

Die Telegrafie war im 19. Jahrhundert keine Neuigkeit. Die optische Telegrafie existierte bereits viel früher und konnte in dieser Zeit schon auf eine lange Geschichte bis in die Antike zurückblicken. Die dort gebräuchlichen Feuer, Ruf- und Trommelzeichen dienten schon in der Antike dazu, Nachrichten in die Ferne zu übertragen.

Sehr weitgehende Gedanken zur Zeichenkodierung hat sich dann im Jahre 1626 Francis Bacon gemacht. Francis Bacon gehört neben Rene Descarte, Isaak Newton und Friedrich Leibnitz zu den Begründern der modernen Naturwissenschaften. Bacon ist es zu verdanken, dass er schon eine binäre Form der Buchstabenkodierung erdacht hatte, die für ihn zur Fernübertragung ebenso geeignet schien wie auch als Geheimschrift. Wir würden heute sagen, dass es sich bei Bacons Alphabet um eine binäre Kodierung mit 5 Bit handelte. Mit den zwei Buchstaben “a” und “b” kodierte Bacon alle anderen Buchstaben des Alphabets, indem er für jeden Buchstaben eine gleich lange fünfstellige Kombination dieser zwei Zeichen verwendete. Er schrieb dazu:

“Es ist nicht leicht irgend ein anderes {Alphabet} gleich vollkommen, denn in ihm steht auch ein Mittel zu Gebot, das es erlaubt, an jedem entfernten Ort mit Signalen, die gesehen oder gehört werden können, dem Freunde eine Nachricht zu übermitteln, wenn zweierlei unterscheidbare Signalformen zur Verfügung stehen, sei es durch Glocken, Hörner, Feuerzeichen oder den Knall von Kanonen.” [2]

Weit über 150 Jahre später stellte der Bürger Claude Chappe am 22. März 1792 der Nationalversammlung in Paris sein Projekt eines optischen Telegrafen vor, um die Kommunikation mit den vielen Departments im vorrevolutionären Frankreich von Paris aus besser koordinieren zu können. Nach einigem Zögern des Kongresses wurde schließlich die etwa 210 km lange Telegrafenlinie Paris-Lille 1794 erstmals eingerichtet.

Während ein Brief per berittener Botenstafette für die (…) Strecke 24 Stunden braucht, werden an jedem der 23 Signalmasten der Telegrafielinie per Fernrohr abgelesene und dann ebenso zur nächsten Station weiter übermittelte Signale in weniger als einer halben Stunde übertragen.“ [3]

Im Jahre 1813 wurde in Frankreich eine optische Telegrafenlinie von Metz nach Mainz eingerichtet. In Preußen wurde die optische Telegrafie erst 1832 eingeführt. Die Kodierung der einzelnen Zeichen erfolgt in beiden Ländern nach dem Chappe-System, bei dem durch die Stellung der Flügel am Mast des Flügeltelegrafen die übermittelten Zeichen dechiffriert werden konnten. (Abbildung 8).

Abbildung 8: Auszug aus dem preußischen Semaphoren-Alphabet nach Chappe
Quelle: Dirk W. Hoffmann, Einführung in die Informations und Codierungstheorie, S.22

Die Kenntnis der optischen Telegrafie war so weit verbreitet, dass es dazu bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Kinderspiel gab. (Abbildung 9)

Abbildung 9: Kinderspiel aus dem 19. Jahhundert zur optischen Telegrafie. Quelle: Wikipedia

Es verwundert daher nicht, wenn es kurz nach den Erkenntnisfortschritten in der Elektrizität es zu Experimenten zur elektrischen Form der Nachrichtenübermittlung kam.

Gutenbergs Drucktypen und die Telegrafie

Gutenbergs Erfindung der metallenen Drucktypen begründete um 1440 eine mediale Ergänzung der zuvor nur handschriftlich oder durch Holzschnitt (Blockbuch) erzeugbaren Textmedien. Indem Johannes Gutenberg das Alphabet mit all seinen Zeichen materiell vereinzelt und in Blei gegossen hatte, wurden aus den zuvor handschriftlich fixierten Zeichen diskrete Drucktypen. Sie konnten immer wieder zu anderen Wörtern und Sätzen kombiniert und aneinandergereiht werden. Die Drucktypen gehörten seit Gutenberg im übertragenen Sinne zur „Hardware“ der Texterzeugung. Den Vorgang des Setzens hatte der Schriftsetzer 350 Jahre lang als „Software“ in seinem Kopf und im Gespür seiner Finger.

Im 19. Jahrhundert verwandelte Samuel Morse und Alfred Vail das Ordnungssystem des Setzkastens in die elektrischen Signale des Morsecodes: Erkannte der Setzer die Ablage der Bleilettern im Setzkasten an der normierten Fächeranordnung, so musste jetzt der Telegraf den Rhythmus der Kodierung langer und kurzer Signale im Kopf und später im Gehör haben. Setzkasten und elektrische Schriftkodierung werden aus dieser technikhistorischen Betrachtungsperspektive plötzlich vergleichbar.

Im Selbstverständnis des 19. Jahrhunderts trennte den Schriftsetzer vom Telegrafen gleichwohl noch eine ganze Galaxie, die Gutenberg-Galaxie[4]. Zwischen elektrischer Telegrafie und digitaler Typografie lagen noch 130 Jahre und eine Unmenge technikhistorischer Erfindungen.

  1. Die seit den 90iger Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzende Digitalisierung der Medien durch Computer, Internet, mobile Smartphones und Tablets macht eine mediengeschichtliche Neuorientierung mit einem deutlich erweiterten technikhistorischen Fokus ratsam, um wesentliche Entwicklungslinien nicht aus dem Blick zu verlieren.
  2. Aschoff: Geschichte der Nachrichtentechnik. Bd 1 Beiträge zur Nachrichtentechnik von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 1989, S.96
  3. Dieter Daniels: Kunst als Sendung. Von der Telegrafie zum Internet, S.17
  4. Marshall Mc Luhan: Die Gutenberg-Galaxis. Die Entstehung des typografischen Menschen

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie Teil 2 von der Schreibmaschine zur Tastatur

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Das Gutenberg-Museum lädt wieder herzlich ein

Ausschnitt aus dem Flyer des Gutenberg-Museums

Pressemitteilung des Gutenberg Museums

Nach neunwöchiger coronabedingter Schließung durfte das Gutenberg-Museum ab 19. Mai wieder Besucher*innen begrüßen. Pünktlich zur Wiedereröffnung wurde die Präsentation “Von der Keilschrift zum Emoji” eröffnet. Die Kabinett-Ausstellung verspricht kurzweilige Unterhaltung und spannende Einblicke für die ganze Familie. Im Mittelpunkt steht der Sachbuch-Comic “Es steht geschrieben”, illustriert von Vitali Konstantinov.

Die Präsentation lädt ein zu Streifzügen durch die Geschichte von mehr als 100 Schriften aus der ganzen Welt und zeigt u.a. die “Tengwar”-Schrift der Elben aus J.R. Tolkiens Epos “Herr der Ringe”. Das Gutenberg-Museum zeigt die Originalzeichnungen des aus Odessa stammenden Illustrators, die zunächst noch ohne Text ausgeführt sind und erst später am Computer durch Schriftelemente ergänzt wurden. Exemplarisch wird so auch der Entstehungs- und Druckprozess zeitgenössischer Comics demonstriert.

Die Präsentation lädt ein zu Streifzügen durch die Geschichte von mehr als 100 Schriften aus der ganzen Welt und zeigt u.a. die “Tengwar”-Schrift der Elben aus J.R. Tolkiens Epos “Herr der Ringe”. Das Gutenberg-Museum zeigt die Originalzeichnungen des aus Odessa stammenden Illustrators, die zunächst noch ohne Text ausgeführt sind und erst später am Computer durch Schriftelemente ergänzt wurden. Exemplarisch wird so auch der Entstehungs- und Druckprozess zeitgenössischer Comics demonstriert.

Ausschnitt aus dem Flyer des Gutenberg-Museums
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Veranstaltungen im Gutenberg-Museum vom 25.05. bis 01.06.2020

Das Museum hat am Pfingstsonntag, 31.05.2020 geschlossen, am Pfingstmontag, 01.06.2020 ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Bitte beachten Sie für den Museumsbesuch unser Hygiene- und Sicherheitskonzept:
Im Gutenberg-Museum können alle Ausstellungsräume und der Druckladen zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden. Es ist nicht nötig, für den Museumsbesuch ein bestimmtes Zeitfenster im Voraus zu buchen, für den Besuch des Druckladens bitten wir um Voranmeldung. Während des Museumsbesuchs müssen alle Besucher*innen Mund und Nase bedecken. Um die Beachtung unseres Wegeleitsystems und der Abstandsmarkierungen wird gebeten. Es stehen zur Handdesinfektion Desinfektionsspender bereit.


Montag, 25.05.2020, 9.00-17.00 Uhr

Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums für Kleingruppen (max. 4 Personen eines Haushalts). Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)

Dienstag, 26.05.2020, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr

Druckvorführung an der Gutenberg-Presse

Mittwoch, 27.05.2020, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse

Donnerstag, 28.05.2020, 9.00-17.00 Uhr
Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums
für Kleingruppen (max. 4 Personen eines Haushalts). Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)

Donnerstag, 28.05.2020, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse

Freitag, 29.05.2020, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse

Freitag, 29.05.2020, 13.30-17.00 Uhr

Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums für Kleingruppen (max. 4 Personen eines Haushalts). Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)

Samstag, 30.05.2020, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse

Samstag, 30.05.2020, 10.00-15.00 Uhr  
Offene Werkstatt im Druckladen des Gutenberg-Museums (derzeit nur mit Voranmeldung!)
für Einzelpersonen und Kleingruppen mit max. 4 Teilnehmern. Drucken von eigenen oder vorhandenen Motiven, Setzen mit Holzlettern. Sondermaterialien auf Anfrage. Kosten: Werkstattbeitrag, (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)

Samstag, 30.05.2020, 13.30-16.30 Uhr
Nachlass von großen und kleinen Sünden
Druckvorführung von Ablassbriefen im 1. Stock des Gutenberg-Museums
Sonntag, 31.05.2020 (Pfingsten)
Museum geschlossen

Montag, 01.06.2020
Museum geöffnet von 11 bis 17 Uhr

Montag, 01.06.2020, 12.00, 13.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse

Von Montag bis Freitag zwischen 9.00-17.00 Uhr
Einzelbetreuung und Druckaufträge im Druckladen des Gutenberg-Museums
Erstellen privater Drucksachen unter fachkundiger Hilfe. Entgegennahme von Aufträgen nach persönlicher Absprache (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)

Mainz, den 22.05.2020
Dr. Annette Ludwig
Direktorin



 
Landeshauptstadt Mainz
Gutenberg-Museum

Postfach 38 20
55116 Mainz
Liebfrauenplatz 5
Tel 0 61 31 – 12 22 11
Fax 0 61 31 – 12 34 88
www.gutenberg-museum.de
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Allein im Druck-Museum.

Von analogen Besuchern und digitalen Usern in Zeiten von Corona

Seit dem 14. März 2020 sind die Museen in Leipzig geschlossen. Es ist still geworden im Museum für Druckkunst, seinen Sammlungen und der aktuellen Ausstellung Das Auge des Fotografen. Manchmal braucht es wohl erst eine Krise, damit sich die Verhältnisse drehen. Denn seit einigen Wochen sind nicht nur die Leipziger Museen äußerst aktiv und besuchen ihre User. Sie gehen online und zeigen mit Fotos, Videos und Live-Streams, was sie zu bieten haben.

So stiften wir Museen nun Nutzen in einem anderen Medium als dem Raum, den wir sonst als unsere Hülle betrachten. Wir zeigen Relevanz, indem wir unseren Content digital aufbereiten, geben neue Einblicke in unsere Sammlungen, schaffen Vermittlungsangebote und Kreativideen zum Nachmachen zuhause oder bieten Führungen an durch unsere derzeit geschlossenen Sonderausstellungen.

Gefilmte Führung im Museum für Druckkunst

Viel kreatives und innovatives Potenzial kam in den letzten Wochen auch im Museum für Druckkunst in Bewegung. Alle Mitarbeiter*innen haben sich in unterschiedlicher Weise eingebracht und dabei ganz nebenbei neue Talente entdeckt. Sei es in der Videoschnitttechnik, in der Darstellung von Aktivitäten per Film und Foto oder in der Moderation von gefilmten Führungen. Oder sie haben endlich Projekte, die im Museumsalltag seit langem geplant waren, umgesetzt. So entstand in den Werkstätten des Museums eine kultige Tapete mit riesigen Holzlettern. Zwei Kollegen haben sich abgestimmt und jeweils eigene Poster kreiert und auf einer großformatigen Andruckpresse gedruckt. Diese zieren inzwischen den Eingangsbereich des Museums und einen bisher eher dunklen Gang des Hauses und motzen beide kultig auf. Die einzelnen Schritte des Projektes haben andere Kolleg*innen fotografisch und filmisch festgehalten und als mehrteilige Serie für Facebook und Instagram aufbereitet. Die hohen Klickzahlen beweisen, dass die Brücke zwischen Historie und Gegenwart sowie zwischen analog und digital gut funktioniert.

Tapetenwechsel im Museum für Druckkunst Leipzig

Hat also die Krise gerade in den oft als konservativ geltenden Museen einen dringend notwendigen Innovationsschub hervorgerufen? Das wird nicht erst seit Mitte März 2020 in der Museumswelt diskutiert. Denn einige große Museen wie das Städel Museum in Frankfurt oder das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg verfolgen schon seit einigen Jahren eine konsequente digitale Strategie. Dabei gilt es jedoch zu unterscheiden, was mit Digitalisierung gemeint ist, die Zurverfügungstellung von Objektdaten u.a. zu Recherchezwecken, wie es etwa die deutsche digitale Bibliothek macht, an der auch museale Sammlungen beteiligt sind, oder ob es sich um digitale Bildungs- und Vermittlungsprogramme handelt, die bewusst außerhalb des Museums genutzt werden sollen und Besucher damit zu Usern machen.

Und genau hier erweist sich nun in der Krise, welche Museen ihre Zielgruppen virtuell erreichen, unterhalten, partizipieren lassen, bilden und binden wollen, oder welche nur Objekte wie in einer digitalen Vitrine im Netz darstellen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, der durch die Transformation eines Objektes in ein anderes Medium eine Nobilitierung oder gar eine höhere Sichtbarkeit bekommt. Denn welchen Nutzen stiftet das Digitalisat, außer dass es nun online verfügbar wird und damit etwa für die Fachöffentlichkeit vom Computer aus erreicht und recherchiert werden kann, ohne das Museum oder die Sammlung je besucht zu haben? Auch das kann ein Nutzen sein, keine Frage! Doch Aufwand und Ertrag stehen in dieser Art des Nutzens oft in einem krassen Gegensatz, denn ein Museum ist eben keine Bibliothek.

Nein, es muss vielmehr um einen Nutzen gehen, der vielen Usern gilt und einen neuen Denkraum eröffnen sollte, in dem sich die Haltung und das Selbstverständnis der einzelnen Museen widerspiegeln. Denn allen auch noch so gut gemachten digitalen Angeboten fehlt ein bestimmter Nutzen, der Museen und ihre Sammlungen so einzigartig macht: das Original vor Ort. Kein Filmbeitrag, keine Performance, keine Fotoshow kann den Usern das Original ersetzten, aber es kann und soll Lust machen, das Original aufzusuchen. Denn der Ort, an dem es ich befindet, bietet mehr als die drei Sinnesebenen, die das digitale Medium zur Verfügung hat. Das Original hat vielmehr einen Resonanzraum, in dem sich auch andere Menschen befinden können, wo es Geräusche und Gerüche gibt, wo der Blick wandern kann und nicht durch eine Kamera gerichtet wird. Hier wird Begegnung zwischen Menschen möglich, die Atmosphäre des Ortes fließt ein und daraus entsteht ein Erlebnis, das sich einprägt, nicht flüchtig ist, wenn der Video-Clip vorbei ist und am nächsten Tag ein neuer gepostet wird.

Sichtbar wird in der digitalen Vermittlung von musealen Orten eines in dieser Krise, digitale und analoge Welten bedingen sich und rücken näher zusammen als früher. Sie werden nun nicht mehr als Gegensätze, sondern als Partner wahrgenommen, die ein gemeinsames Ziel haben: Menschen für Museen und ihre Sammlungen zu interessieren, zu begeistern und sie zu einem analogen Besuch zu bewegen. Und es gibt noch einen Zusatznutzen der digitalen Aktivitäten: diese lassen sich im Museum nachnutzen, als Apps, auf der Website, für die Objektdokumentation, aber vor allem auch als zusätzliches Angebot der Vermittlung vor Ort, z.B. in Form von QR-Codes, die bereits existierende Inhalte per Smartphone für Besucher jederzeit erreichbar machen.

Digitale Rundgänge für User sind aktuell eine wunderbare Alternative, sie bringen den Institutionen jedoch bislang keinen einzigen Euro ein. Und hier liegt die Crux der bisherigen Digital-Modelle, die kostenlos verfügbar sind, was angesichts von Corona absolut richtig ist. Denn eines ist sicher, die hohen Klickzahlen derzeit wären dramatisch geringer, wären sie an ein Bezahlmodell gekoppelt. Das hat die Verlags- und Medienwirtschaft bereits erfahren müssen, dass ihr Content, sobald er kostenpflichtig ist, deutlich weniger User hat, es sei denn, er ist einzigartig und stiftet einen besonderen Nutzen. Die Museen sollten davon lernen und sich darauf konzentrieren, zwar kostenfreie Inhalte zu produzieren, die einen hohen Nutzen stiften, in Kreativität, Unterhaltung, Bildung und Information, aber dabei stets im Auge behalten, dass dieser Content so beschaffen sein muss, dass er darauf gerichtet ist, Vor-Ort-Besuche zu generieren, einen Sog zu erzeugen, einen drängenden Wunsch, diesen Ort, genannt Museum, ganz analog besuchen zu wollen.

Die Zeichen stehen dank Corona dafür sehr gut, vor allem für die Museen, die die aktuellen Abstands- und Hygienemaßnahmen relativ problemlos umsetzen können. Darauf verweist der Deutsche Museumsbund und dies führt dazu, dass die Museen zu den ersten Kulturinstitutionen gehören, die wieder öffnen dürfen. Wenn Museen in den letzten Wochen den Blickwinkel auf informative, unterhaltsame wie zeitgemäße Aktivitäten im Netz gerichtet haben, sollte ihnen nun ein kulturell ausgehungertes Publikum sicher sein, das dankbar für abwechslungsreiche und authentische Kulturerlebnisse ist. Museen sind demokratische und sichere Orte der Begegnung, des Dialogs und der Bildung. Wie gut, dass sie nicht nur im Netz existieren, sondern sprichwörtlich vor der Haustür und für viele Menschen, die aktuell digital übersättigt sind, nun ganz analog ein Stück Welt bereithalten, das wir sonst oft erst auf Reisen für uns entdecken. Ein analoger Besuch im Museum kann auch eine Reise in neue Welten eröffnen.

 Dr. Susanne Richter, Museum für Druckkunst Leipzig, 04.05.2020

Dr. Susanne Richter ist Kunsthistorikerin und überzeugt von der Institution Museum. Sie engagiert sich außerdem für Industriekultur und das immaterielle Kulturerbe Drucktechnik. Wiederentdeckt hat sie in den letzten Wochen ihr Festnetztelefon, um persönliche Kontakte zu pflegen.

Fotos: Museum für Druckkunst Leipzig.

www.druckkunst-museum.de

www.facebook oder instagram.com/museumfuerdruckkunst

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Druckkunst und Kunst in der Lithographie-Werkstatt Eichstätt

Li Portenlänger druckt die Arbeit von Renate Gehrcke, Pappenheim

Im vergangenen Jahr widmete Li Portenlänger den Jahresdruck 2019 der Lithographie-Werkstatt Eichstätt dem Hofbaumeister und italienischen Architekten Maurizio Pedetti. Anlass war dessen 300jähriger Geburtstag. Von 1750 bis zu seinem Tode 1799 war Pedetti unter vier Fürstbischöfen Hofbaudirektor und Hofkammerrat in Eichstätt. Pedetti war der letzte Hofbaumeister des Fürstbistums Eichstätt an der Wende vom Rokoko zum Klassizismus.

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