Immaterielles UNESCO-Kulturerbe des Buchbinderhandwerks nun auch in Deutschland anerkannt

Heftlade

 „Wir sind stolz, dass auf unseren Antrag hin das Buchbinderhandwerk mit in den Kreis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden ist…“ [1]

So äußerte sich Maik Beckmann, Vorsitzender des Bundes Deutscher Buchbinder zur Aufnahme des Buchbinderhandwerks in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes durch die deutsche UNESCO-Kommission. So geschehen am 19. März 2021. Neben der Morsetelegrafie und den Künstlerischen Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks und Durchdrucks ist mit dem Buchbinderhandwerk ein weiteres Kulturerbe in die Liste aufgenommen worden, das der Kulturgeschichte der Medien zuzurechnen ist.

Mit der Anerkennung verbunden sehen wir eine große Chance, unsere Tätigkeiten einer größeren Öffentlichkeit näherzubringen.[2]

Mit der Aufnahme des Buchbinderhandwerks in das deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes folgt Deutschland der UNESCO-Kommission in Österreich, die das Buchbinderhandwerk bereits im Herbst 2020 in ihr nationales Verzeichnis aufgenommen hat.

„Das Handwerk des Buchbindens erschuf alle Bibliotheken dieser Welt. Sonst hätten wir nur Lose-Blatt-Sammlungen”,

bemerkte Christine Weiner, Vorsitzende der Berufsgruppe der Buchbinder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), bereits 2020 sehr treffend zur Eintragung des Buchbinderhandwerks in Österreich.

Wer nun denkt, dass das Buchbinderhandwerk so alt sein müsste wie die künstlerischen Drucktechniken und das Medium Buch, der irrt. Es ist deutlich älter. Lange vor der Erfindung des gedruckten Buches wurden Bücher, meist in den Klöstern, handschriftlich auf Pergament mit der Gänsefeder geschrieben. Das war bereits im 11. und 12 Jahrhundert der Fall. Zur Unterscheidung von gedruckten Büchern des 15. Jahrhunderts werden die handgeschriebenen als Codex bezeichnet. Gebunden wurden aber auch diese schon. Dazu faltete man die Blätter aus Pergament, oder später aus Papier, und trug sie zu Lagen von 4 oder 6 Blättern zusammen. Ein einzelnes Buch bestand aus einer Vielzahl derartiger Lagen, die vom Buchbinder am Ende der Produktion dann zusammengebunden wurden. Dazu wurden die einzelnen Lagen mit Nadel und Faden durchstochen und anschließend auf der Heftlade zusammengeheftet. Zum Schluss wurden die Codizes mit einem Buchdeckel aus Holz oder anderen Materialien eingebunden.

Die handgeschriebenen Bücher und deren Buchdeckel wurden oft aufwendig mit Kleinodien und Goldschmiedearbeiten veredelt. Mit der Erfindung der Buchdruckkunst im 15. Jahrhundert etablierte sich das Buchbinderhandwerk als selbständiges Gewerbe, wobei dieses Handwerk bis heute mit traditionellen Mitteln ausgeübt wird.“ [3]

Bereits im 12. und 13 Jahrhundert treten mit dem Aufkommen der Universitäten zunehmend bürgerliche Buchbinder auf und etablieren sich neben den Buchbindern in den Klöstern.

Das traditionelle Handwerk des Buchbindens ist heute, neben dem Ausbildungsberuf des Medientechnologen Druckverarbeitung, ein anerkannter Ausbildungsberuf, der mit einer Kammer-Prüfung abschließt. In der Broschüre des ZFA zum Beruf des Buchbinders heißt es: Das Berufsbild vereint heute handwerkliches Können und Jahrhunderte alte Techniken mit aktueller Materialkenntnis und modernen High-Tech-Anforderungen. Handwerkliches Buchbinden bedeutet auch heute noch Bücher, Broschuren, Examensarbeiten, Urkunden, Kassetten und Mappen einzeln oder in kleineren Auflagen zu binden. Zeitschriften werden zu Bucheinbänden zusammengefasst. Bücher sachkundig zu reparieren gehört ebenso zu dem Aufgabengebiet wie wertvolle alte Bände zu restaurieren und Bilder anspruchsvoll zu rahmen.

Ein aktueller Beruf mit langer Tradition ist ab 2021 auch Garant für das lebendige Fortbestehen des Immateriellen UNESCO-Kulturerbes des Buchbindehandwerks.

  1. https://www.bdbi.org/news/aktuelles.html

  2. Dto.

  3. https://www.kunsthandwerk-online.at/category/buchbinder/

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