Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Abbildung 1: Hellschreiber von Siemens Halske Modell 24a=32 aus dem Jahre 1941
Quelle: ©2008 Frank M.G. Dörenberg, N4SPP
www.nonstopsystems.com/hell.htm

Teil 4: Der Hellschreiber

Die Abkürzung TELEX steht für TeleprinterExchange und bezeichnet den Austausch von Textnachrichten über Fernschreiber auf Telefonleitungen mittels des standardisierten Zeichensatzes nach Murray-ITA-2 (siehe Teil 3 dieses Blogbeitrags). In Deutschland lief seit 1928 ein Testbetrieb, bevor das Telex-Netz im Jahre 1933 endgültig eingeführt wurde. Mit der Erfindung des Hellschreibers durch Dr. Ing. Rudolf Hell kreuzen sich zwei bis dahin unabhängige Technologien, Faxsimile und Telex zu einer neuen Symbiose. Ein kleiner Schritt für die Telekommunikation wird zu einem ersten Schritt in eine digitale Schriftkultur. Mit dieser Bedeutung für die Geschichte der digitalen Schriftkultur blieb der Hellschreiber bisher weitgehend unbeachtet.

Seit Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, prägen die in Blei gegossenen Drucktypen die Schriftkultur in unseren Büchern, Zeitungen, Zeitschriften und im Akzidenzdruck. Die im 19. Jahrhundert sich neu entwickelnde Informationsverbreitung über Morsetelegrafie, Drucktelegrafen und Fernschreiber reduzierte das Alphabet bis zur Erfindung des Hellschreibers auf codierte Zeichensätze. Das bedeutet konkret, dass die telegrafische Fernübertragung von Texten, einschließlich der Fernübertragung zur Ansteuerung von TTS-Setzmaschinen, ausschließlich über die Adressierung der dazu erforderlichen Schriftzeichen erfolgte. Das grafische Aussehen dieser Zeichen bleibt in den Anfängen der Morse-Telegrafie bedeutungslos, denn die ersten Telegrafisten mussten die Nachrichten manuell transkribieren. Als die Telegrafie dann später über Drucktelegrafen von Gerät zu Gerät erfolgt, bestimmt die Drucktype des Empfangsgerätes das Schriftbild. Im maschinellen Bleisatz sind es die Matrizen in den Magazinen der TTS-Bleisetzmaschinen und beim Fernschreiber sind es deren Typenhebel, die das Schriftbild materiell speichern. Erst mit dem Hellschreiber werden erstmals die Schriftbilder der Buchstaben telegrafiert. Der Hellschreiber schlägt eine Brücke zwischen Faksimile-Technik und Fernschreiber. weiterlesen

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Abbildung 1 Teletype Perforator

Teil 3: Lochstreifen und Perforator übernehmen das Kommando

Die erste praktische Erfindung nach der experimentellen Erforschung der Elektrizität im 19. Jahrhundert ist 1837 die Elektrifizierung des Alphabets über die Morsetelegrafie (siehe Teil 1 zu diesem Blog-Beitrag). Mit ihr beginnt der Weg in die Digitalität der Fonttechnologie.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führt die Mechanisierung der Büroarbeit, des Bleisatzes und der Telegrafie zu Innovationen des Schreibens, Setzens und Telegrafierens. Die Erfindung der Schreibmaschine, der Bleisetzmaschinen und der Drucktelegrafen verfügen über Tastaturen, mit denen die Buchstaben des Alphabets direkt angesprochen werden können. Die Tastatur wird zur Schnittstelle zwischen dem Menschen und dem Alphabet (siehe Teil 2 zu diesem Blog-Beitrag). weiterlesen

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnolgie

Abbildung 1: Inventar-Nr.: NKg/00329 Künstler: Dänemark, Kopenhagen, Rasmus Malling Hansen (1835-1890) Gegenstand: Skrivekugle (Schreibkugel) des Nietzsche, Friedrich (1844-1900) Datierung: Um 1882 Technik: Feinmechanikerarbeit, Gravur Material: Messing, Stahl

Teil 2: Von der Schreibmaschine zum Fernschreiber

Aktualisierter Blog-Beitrag

„Diese Maschine ist delicat wie ein kleiner Hund und macht viel Noth – und einige Unterhaltung.“ weiterlesen

Artikel

Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Abbildung 1. Erstes Morsetelegramm von 1837

Teil 1: Die Elektrifizierung des Alphabets

Am 4. September 1837 demonstriert der Maler Samuel Morse im Repräsentantenhaus in Washington die erste Fernübertragung einer Nachricht mit elektromagnetisch kodierten Zeichen. Die Übertragung des kryptischen Zahlencodes „214-36-2-58-112-04-01837“ ergibt nach der Dekodierung durch den Empfänger den Satz „Successful experiment with telegraph. September 4th 1837.“ ( siehe Abbildung 1 oben)

Mit der ersten öffentlichen Demonstration eines Schreibtelegrafen zur Übertragung einer elektrisch kodierten Textbotschaft beginnt im 19. Jahrhundert die Epoche der digitalen Medien. weiterlesen

Artikel

Industriekultur und visuelle Bildkultur in der Mediengeschichte

Mahlmannstraße, Fabrik für ätherische Öle Rudolf Lauche, 1920 (c) Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Fotoatelier Hermann Walter

Ein Beitrag zur Sonderausstellung „Das Auge des Fotografen. Industriekultur in der Fotografie seit 1900“ im Museum für Druckkunst in Leipzig

Von der typografischen Buchkultur zur visuellen Bildkultur

Das Land Sachsen hat das Jahr 2020 zum Jahr der Industriekultur ausgerufen. 500 Jahre sächsische Industriekultur. Aus diesem Anlass veranstaltet das Museum für Druckkunst in Leipzig vom 08.03. bis zum 28.06.2020 eine Sonderausstellung zum Thema „Das Auge des Fotografen. Industriekultur in der Fotografie seit 1900.“ weiterlesen

Artikel

Druckindustrie 4.0 oder der Tunnelblick in die Technikgeschichte

ChromolithograPhie-Abteilung einer Druckerei um 1900
Quelle:http://www.solingen-internet.de/si-hgw/imprimatur/druckerei1900.htm

Industrie 4.0, Arbeit 4.0, Druckindustrie 4.0, Schule 4.0…, eigentlich kann man es nicht mehr hören, überall, wo es um Digitalisierung geht, taucht sie fast zwangsläufig auf – die 4.0.

Vier Punkt Null verweist auf die vierte industrielle Revolution, in der wir uns derzeit befinden sollen. Worin die anderen drei bestanden haben, darüber findet man bei 4.0 nur wenig. weiterlesen

Artikel

Bilderdruck als Druckkunst

Der Formschneider. Quelle: Wkipedia

An den Umstand, dass Drucken und Kunst einmal in enger Verbindung gestanden haben, daran erinnert das heute noch weithin bekannten Synonym für „Drucken“ als „Schwarze Kunst“. Hinzu kommt die Erinnerung an die seit 1740 verbriefte Begrüßung der Zunftgenossen der Buchdrucker-, Schriftsetzer und Lithografen mit „Gott grüß‘ die Kunst“, auf den mit „Gott grüße sie“ zu antworten war. Mit der „Schwarzen Kunst“ ist nicht Magie oder Zauberei moderner Technologien gemeint, sondern die schwarze Druckfarbe, die zur Einfärbung von Druckformen verwendet wurde, um das Bild meist einfarbig auf Papier zu vervielfältigen. Farbig wurden die gedruckten Bilder der Frühzeit erst durch nachträgliche manuelle Einfärbung, später auch durch andere druckgrafische Verfahren, die in diesem Beitrag erläutert werden.

Holzschnitt: Bilderdruck mit zwei kulturellen Wurzeln

Der Bilderdruck begann in Europa erst um 1420, nachdem er außerhalb Europas schon 700 Jahre früher in China praktiziert wurde. Im Vergleich zu Europa hatte China andere kulturelle Bedingungen, unter denen sich der Bilderdruck viel früher entwickeln konnte. Der seit dem 1. Jahrhundert nach China vordringende Buddhismus nutzte spätestens seit dem 8. Jahrhundert die auf Papier gedruckte Xylografie in Bild und Text dazu, um dem religiösen Glauben zur Verbreitung zu verhelfen. Während die frühen chinesischen Kenntnisse zur Papierherstellung über einen langen Weg nachweislich im 13. Jahrhundert nach Europa importiert wurden, muss davon ausgegangen werden, dass sich die Xylografie im 15. Jahrhundert in Europa ganz eigenständig davon entwickelt hat. weiterlesen

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.