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Peter Neumann, eine wichtige Persönlichkeit der Druckgeschichte, ist verstorben

Peter Neumann (Foto Sivia Werfel)

Immer engagiert in der Welt des Drucks, der Schrift und der Gestaltung war er ein Leben lang beruflich und ehrenamtlich unterwegs. Am 7. August 2021 verstarb im Alter von 94 Jahren Peter Neumann, dessen kritische und gleichzeitig konstruktive Stimme uns nicht nur im IADM fehlen wird. weiterlesen

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“Überzeugungsarbeit und Stehvermögen” — Günter Gerhard Lange und der Fotosatz bei der H. Berthold AG

Das Fotosatzgerät “Diatype” der H.Berthold AG. Foto:Industriemuseum.de

Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg löst mit seiner Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern und Druckerpresse ab 1450 die erste Medienrevolution aus. Knapp 500 Jahre später bahnt sich im Nachkriegsdeutschland mit der Entwicklung des Fotosatzes ein weiterer elementarer Umbruch der Satzherstellung an. Die H. Berthold AG wird die erste Schriftgießerei Europas, die den Fotosatz aufnimmt. Motor dieser Entwicklung bei Berthold sind zwei Personen. Einer davon ist Direktor Carl Graumann, dazu im Folgenden mehr – der andere der spätere künstlerische Leiter Günter Gerhard Lange (1921—2008). GGL, so sein bekanntes Kürzel, wäre am 12. April 2021 100 Jahre alt geworden: ein Grund mehr, einen genaueren Blick auf diese Übergangszeit vom Blei- zum Fotosatz und seiner Rolle in dieser umwälzenden Entwicklung zu werfen. Einer Zeit, die GGL rückblickend als die schwierigste Zeit bei Berthold mit vielen Widerständen, Misstrauen und Vorurteilen in einem eher konservativen Gewerbe bezeichnet hat und sich dennoch mit vollster Überzeugungskraft dafür einsetzte. weiterlesen

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Ohne Schriftguss kein Handsatz und kein Buchdruck: Der letzte Schriftgießer der Welt im Interview

Rainer Gerstenberg, der letzte kommerziell arbeitende Komplettguss-Schriftgießer der Welt, stellt zum 31. 12. 2021 seine Produktion in den Räumen des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt ein.

„Japan, ja, wenn man dann die Resonanz dort hört, dass Alt und Neu ganz normal nebeneinander arbeiten ohne in Konkurrenzkampf zu treten, und dass diese alten Gewerbe, der „Letzte seines Standes“, hochgehalten werden, und nicht sozusagen als Schuhabtreter genommen werden“. (Interview Gerstenberg 25. Oktober 2018, Minute 23:20) weiterlesen

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Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Die analoge Typografie: Bleilettern mit Winkelhaken und Typometer

Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Gutenberg hat nicht den Druck erfunden; den beherrschten die Chinesen bereits 600 Jahre vor ihm. Gutenberg hat die Typografie erfunden und dazu zählt all das, was heute in modernen Lehrbüchern, etwas geschichtsvergessen, in Mikrotypografie und Makrotypografie unterteilt wird. Seit der Erfindung Gutenbergs hat sich ein typografisches Wissen akkumuliert, das kein Verfallsdatum kennt. Die Fonttechnologie wurde durch Fotosatz, Lichtsatz, Desktop Publishing (DTP) und Web-Publishing mehrmals revolutioniert, aber die analoge Typografie Gutenbergs hat in der Digitalität der Fonttechnologie weiterhin ihre Gültigkeit behalten. Durch Maß und Zahl wurden zwar die technischen Werkzeuge der Typografie revolutioniert, nicht aber ihre grundlegenden Parameter. weiterlesen

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Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie

Teil 5: Exkurs zur Genealogie der Schrift- und Rechenkultur

Unsere digitale Schreibkultur über Tablet und Smartphone basiert technik- und kulturgeschichtlich nicht nur auf der Genealogie des Schreibens, sondern auch des Rechnens. Ohne Rechenprozesse unterhalb der Bedienoberfläche von Tastatur und Textverarbeitungssoftware kann der geschriebene Text nicht auf dem Bildschirm erscheinen oder auf Papier ausgedruckt werden. Digitale Fonttechnologie hat sich historisch aus der Interferenz sowohl einer Schrift- als auch einer Rechenkultur entwickelt. Beide sind zu materialisierter Hardware geronnen und in Software implementiert. Die Textverarbeitungsprogramme der Computer haben kulturgeschichtlich die Schriftzeichen aus der Antike adaptiert. Das Zahlensystem, die Null und die Eins, die der Computer unbemerkt vom Anwender zum Berechnen der Bildschirmanzeige nutzt, ist ursprünglich indischer Herkunft. Ohne die Akteure des frühen Humanismus, den Renaissance-Humanisten, und ihres neuen Weltbildes, zu deren Verbreitung sie die Erfindung Johannes Gutenbergs intensiv nutzten, ist die digitale Fonttechnologie undenkbar. Gutenbergs Innovation zur Vervielfältigung von Wissen und Wissenschaft gab der Beförderung der europäischen Schrift- und Rechenkultur erst den entscheidenden Impetus.

Der 5. Teil zu diesem Blog-Beitrag will mit dem Rückblick auf die Genealogie der Schrift und Rechenkultur das kulturgeschichtlich ganzheitliche Bewusstsein über die Fonttechnologie wachhalten, um sich nicht in den Fallstricken digitaler Halbbildung zu verfangen. Bildung in einer digitalen Welt erfordert mehr, als den von der Kultusministerkonferenz der Länder geforderten „(…) kompetente(n) Umgang mit digitalen Medien, die ihrerseits die traditionellen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen ergänzt und verändert.“ [1] Der Geschichtsvergessenheit eines Bildungsbegriffs, den die KMK als digitale Kompetenz in allen Schulen und Universitäten seit Ende der 90iger Jahre als Bildung propagiert, wird hier nicht das Wort geredet. Das Prinzip der Bildung ist nicht Utilitarismus. Die Akteure des Humanismus und der Aufklärung waren nicht nur die Geburtshelfer für eine Schrift- und Rechenkultur, die von ihnen initiierte geistige Wende hat auch das Bewusstsein einer umfassenden ganzheitlichen und gründlichen lebenslangen Bildung für alle Menschen hervorgebracht, wie sie im Leitgedanken des frühhumanistischen Pädagogen Jan Amos Comenius (1592–1670) seinen Ausdruck findet: Omnes omnia omnino (alle alles allumfassend; alle alles, im Hinblick auf das Ganze) zu lehren. weiterlesen

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