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Von Gutenberg zu Goethe: Dr. Annette Ludwig verlässt das Gutenberg-Museum und geht nach Weimar

Die Direktorin Dr. Annette Ludwig verlässt 2022 das Gutenberg-Museum Mainz. (Foto: Klassik Stiftung Weimar)

Anlässlich des 500. Geburtstags von Johannes Gutenberg, dem Erfinder der Typografie, gründeten die Bürger der Stadt Mainz im Jahre 1900 das Gutenberg-Museum, um dessen Erfindung einem breiten Publikum bekannt zu machen. Die Eröffnung eines der ersten Druckmuseen der Welt fand am 23. Juni 1901 statt. Seit 2010 ist die Kunsthistorikerin Dr. Anette Ludwig mit viel Engagement und Kreativität dabei, das kulturelle Erbe Johannes Gutenbergs zeitgemäß in unsere digital gewordene Gegenwart zu transformieren, um so die kulturelle Erinnerung an Gutenberg zu erhalten.

„Wir wollen ein lebendiges Museum werden, Maschinen zum Sprechen bringen, neue Elemente integrieren“

sagte Dr. Annette Ludwig seinerzeit gegenüber der Internet-Zeitung Mainz&. Nun verlässt sie das Gutenberg-Museum und folgt einem Ruf in die Goethe-Stadt Weimar, wo sie voraussichtlich ab Frühjahr 2022 Direktorin der 21 Museen der Klassik Stiftung Weimar wird. Wir gratulieren ihr dazu. Ein großer persönlicher Erfolg für Dr. Annette Ludwig und ein herber Rückschlag für den Neubau des Gutenberg-Museum in Mainz.

Als die engagierte Initiative von Dr. Annette Ludwig für den Neubau und die Neukonzeption des Gutenberg-Museums im Februar 2016 zu dem aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangenen Plan für einen Museumsneubau mit modern gestalteten Bibelturm quasi unter Dach und Fach war, bewirkte 2018 ein Bürgerentscheid der Mainzer Bürger die Politik der Stadt Mainz dazu, die Pläne erst einmal auf Eis zu legen. Hatten 118 Jahre zuvor Mainzer Bürger dem Weltmuseum zu seiner Gründung verholfen, so verhalfen sie ihm jetzt zu einem vorläufigen Ende. Doch Dr. Annette Ludwig ließ sich nicht entmutigen und kämpfte weiter. Jetzt, 2021, steht ihr “Herzensprojekt” erneut am Start und wartet auf seine Realisierung. Aber an der Stelle war die Stadt Mainz vor drei Jahren ja schon einmal.

Nicht zuletzt ihr unermüdlicher Kampf für die Rettung des kulturellen Erbes Gutenbergs in die digitale Zeit hat Dr. Annette Ludwig schließlich zu Goethe nach Weimar geführt, denn in einer Presseerklärung der Klassik Stiftung Weimar heißt es:

„Mit Annette Ludwig gewinnt die Klassik Stiftung Weimar eine profilierte Museumsmanagerin, die gattungsübergreifende Erfahrungen aus den Bereichen des Sammelns, Forschens und Vermittelns mitbringt. Seit Mai 2010 ist sie Direktorin des Gutenberg-Museums in Mainz und prägt das Profil des „Weltmuseums der Druckkunst“ nicht nur durch einen strukturellen Innovationskurs, der die Erschließung des Themas Bauhaus in Rheinland-Pfalz einschließt, sowie die Initiative für die baulichen, inhaltlichen, szenografischen und trägerschaftlichen Vorbereitungen eines Museumsneubaus, sondern auch als Kuratorin für das 19. bis 21. Jahrhundert mit international beachteten Sonderausstellungen zu Typografie, Buchkunst und Druckgrafik.“

Ausführlichere Informationen zum Wechsel von Annette Ludwig von Mainz nach Weimar gibt es auf dem Podcast des SWR 2 zur Kultur aktuell und der Internetzeitung für Mainz .

 

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Wie Noten aufs Papier kommen zeigt das Gutenberg-Museum in Mainz

Notenstichvorführung im Gutenberg-Museum in Mainz

Im Rahmen seiner Ausstellung „Noten für die Welt,“ die noch bis zum 7. November in Mainz zu sehen ist, zeigt das Gutenberg-Museum am 30. September 2021 um 16 Uhr die Technik des Notenstichs live. Peter Gass-Domes, gelernter Notenstecher und langjähriger Mitarbeiter des Musikverlags  Schott, führt anlässlich des 250-jährigen Jubiläums des Mainzer Schott-Verlags diese spannende Technik vor.

Der Notenstich ist ein Tiefdruckverfahren und wurde bis ins späte 20. Jahrhundert angewandt. Er erfordert das spiegelverkehrte Einschlagen jeder einzelnen Note in Metall. Dieses alte und bedrohte Verfahren des Notenstichs bekam ab etwa 1798 Konkurrenz durch die von Alois Senefelder erfundene Lithografie, bei der die Noten spiegelverkehrt mit Feder und Tinte auf einen Litho-Stein  geschrieben wurden, die anschließend im Flachdruckverfahren gedruckt wurden. Beide handwerklichen Techniken sind heute durch computergestützte Satz- und Drucktechniken völlig verschwunden. Die Gäste bekommen einen einzigartigen Einblick in das alte, bedrohte und verschwindende Handwerk des Notenstichs. Für die Führung ist lediglich der Museumseintritt zu entrichten. Es ist eine Anmeldung erforderlich unter Telefon 06131/123411 oder per Mail

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Anmeldung zur Fachtagung und Migliederversammlung des IADM am 2. Oktober 2021 nicht vergessen!

Die diesjährige Fachtagung zum Thema “Bucheinband” und die Mitgliederversammlung des IADM findet online statt und ist kostenlos. Eine rechtzeitige vorherige Anmeldung per E-Mail ist jedoch unbedingt erforderlich. Nähere Informationen zur Fachtagung und zur Anmeldung finden Sie hier.

Willkommen auf  den Blog

 

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Veranstaltungen im Museum für Druckkunst in Leipzig

Museum für Druckkunst Leipzig. Quelle: https://www.druckkunst-museum.de

Das Druckmuseum in Leipzig gibt bekannt, dass noch bis zum 12.9.  die Ausstellungen „RevierWechsel“, „Ton – Holz – Blei“ und „From Futura to the Future“ zu sehen sind. Zum Abschluss von „RevierWechsel“ finden verschiedene Veranstaltungen statt.

Ab 6.9. ist der Drucksaal des Museums wieder Schauplatz von „Let’s print in Leipzig“. Bereits zum vierten Mal nutzen neun internationale Künstlerinnen und Künstler zwölf Tage die Werkstätten des Museums und Sie können ihnen dabei über die Schulter schauen. Eine anschließende Ausstellung präsentiert ab 19.9. die Ergebnisse. In den kommenden Monaten können Sie außerdem unsere Artists in Residence erleben. Fünf Künstler/innen arbeiten jeweils vier Wochen an den Pressen des Museums. Eine Ergebnisausstellung folgt im Frühjahr 2022.
Es lohnt sich auch ein Blick in unseren Kalender, um Führungen oder Workshops nicht zu verpassen, zum Beispiel am Tag es offenen Denkmals am 12.9.

Veranstaltungen zum Abschluss von “Revierwechsel”

7.9., 15 Uhr  Führung 60+ (halber Eintritt für Besuchende ab 60 Jahren)

10.9., 18–20 Uhr
Trinationales Künstler/innengespräch und Finissage (Eintritt frei, bitte anmelden)
Es diskutieren: Aafke Ytsma und Wendelien Schönfeld (NL), Sebastian Utzni und Georges Wenger (CH), Susann Hoch und Bettina van Haaren (D), Moderation: Susanne Richter (Museum für Druckkunst) und Imke Harjes (Bund Bildender Künstler Leipzig).
Künstlerische Druckgrafik hat in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden eine lange Tradition. Im aktuellen Kunstgeschehen der drei Länder ist ihre Rolle jedoch sehr unterschiedlich. Wohin entwickelt sich die Druckgrafik in den nächsten Jahren? Welche Themen sind in den drei Ländern gerade virulent? Welchen Stellenwert hat die Druckgrafik im eigenen künstlerischen Schaffen? Diese und andere Fragen werden im trinationalen Künstler/innen-Gespräch diskutiert. Fragen aus dem Publikum sind herzlich willkommen.

Weitere Termine

Jeden Dienstag, 14–17 Uhr: Offene Werkstatt Letterpress, Infos

Jeden Donnerstag, 14–17 Uhr: Offene Werkstatt Radierung, Infos

The New Old – Hochdruck-Workshop mit Dafi Kühne

25.9., 10–17 Uhr, Infos
Im Rahmen des Busyhandsfest.

Let’s print in Leipzig 4

Öffentlicher Workshop: 6.–17.9.
Ausstellungsdauer: 19.9.–14.11.2021
Soft Opening am 17.9., 17–20 Uhr, Infos

36. Leipziger Grafikbörse. hortus secretus – der geheime Garten

10.10.–21.11.2021
Soft Opening am 8.10., 17–20 Uhr, Infos

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Mainzer Stadtwerke unterstützen die “Internationale Gutenberg-Gesellschaft Mainz e. V.” mit großzügiger Spende zu ihrem 120ten Gründungstag

Spendenübergabe

Spendenübergabe der Mainzer Stadtwerke

Pressemitteilung des Gutenberg-Museums Mainz

Am 23. Juni 1901 und damit vor genau 120 Jahren wurde die „Internationale Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e. V.“ gegründet. Seither verfolgt die Gesellschaft zwei bedeutende Ziele: Die Erforschung der Geschichte und Entwicklung der Drucktechnik und der schriftorientierten Medien sowie die ideelle und finanzielle Förderung des Gutenberg-Museums.

1971, also vor genau 50 Jahren, wurde der städtische Eigenbetrieb Stadtwerke Mainz zu einer Aktiengesellschaft – damals noch unter dem Namen Stadtwerke Mainz AG. Angesichts der Corona-Pandemie hat das inzwischen in Mainzer Stadtwerke AG umfirmierte kommunale Unternehmen im laufenden Jahr auf Festakte und große öffentliche Feierlichkeiten verzichtet. Stattdessen möchten die Mainzer Stadtwerke die wichtige Arbeit der Gutenberg-Gesellschaft und damit auch die des Gutenberg-Museums anlässlich deren 120. Geburtstages finanziell im größeren Rahmen unterstützen.

Oberbürgermeister Michael Ebling in seiner Funktion als Präsident der Gutenberg-Gesellschaft, Vizepräsident Prof. Stephan Füssel, die Direktorin des Gutenberg-Museums, Dr. Annette Ludwig, und der Stadtwerke Vorstandsvorsitzende Daniel Gahr stellten den Medien heute bei einem Presse- und Fototermin im Gutenberg-Museum Einzelheiten der Kooperation vor. Daniel Gahr überreichte dabei einen symbolischen Scheck über 100 000 Euro an den Verein und die Verantwortlichen des Museums.

In der Druckwerkstatt gab es außerdem eine Druckaktion: Die Verantwortlichen der Gutenberg-Gesellschaft, des Gutenberg-Museums und der Stadtwerke druckten dabei auf einer historischen Presse das markante „M“, seit 2016 das Firmenlogo der Mainzer Stadtwerke. Daniel Gahr: „Wir sind seit vielen Jahrzehnten fest verwurzelt in der Stadt Mainz. Dabei sind wir längst mehr als ein Wasser- und Energieversorger oder Mobilitätsanbieter. Wir tragen unseren Teil zum Klimaschutz sowie einem nachhaltigeren Leben in dieser Stadt bei und schauen bei unserem Engagement auch über den Tellerrand von Mainz hinaus: Vor wenigen Wochen haben wir 100 000 Euro den Flutopfern in Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellt, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen dort für weitere Aufbauhilfe zur Verfügung. Wir engagieren uns in gemeinnützigen Stiftungen, unterstützen Initiativen und Vereine durch Sponsoring. Unsere Kooperation 2021 zum 120. Geburtstag der Gutenberg-Gesellschaft soll auch dabei helfen, die Bedeutung Gutenbergs und des Gutenberg-Museums für unsere Stadt noch stärker im Bewusstsein der Menschen zu verankern.“

Oberbürgermeister Michael Ebling zeigt sich als Präsident der Gutenberg-Gesellschaft sehr erfreut über die Zuwendung. „Die Gutenberg-Gesellschaft erforscht seit ihrem Bestehen die Geschichte und Entwicklung der Drucktechnik und der schriftorientierten Medien. Die weltweit anerkannte Institution hat heute rund 700 Mitglieder in über 30 Ländern und ist ein wichtiger Repräsentant des Erbes Gutenbergs in der Welt. Die Zuwendung ist eine nachdrückliche Anerkennung der Arbeit der Gesellschaft als auch des beliebten Weltmuseums, das sich im Umbruch befindet und sich baulich wie konzeptionell neu für die Zukunft ausrichtet. Mit dieser Zuwendung kann die Gutenberg-Gesellschaft in diesem Prozess für massiven Rückenwind sorgen“, so Ebling.

Dr. Annette Ludwig: „Auch ich freue mich sehr über diese Zuwendung und danke den Mainzer Stadtwerken und allen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich. Das Gutenberg-Museum, 1900 von der Mainzer Bürgerschaft gegründet, wurde seither immer wieder durch bürgerschaftliches Engagement in Form vom Spenden oder anderen Zuwendungen, aber auch durch ehrenamtliche Arbeit unterstützt. Wir sind dankbar für die Wertschätzung unserer Arbeit für jährlich rund 160.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt. Die Unterstützung der Mainzer Stadtwerke ist gerade jetzt sehr wichtig, um an der Wiege des europäischen Buchdrucks ein neues, zeitgemäßes Museum zu errichten, auf das die Welt blickt und auf das alle Mainzerinnen und Mainzer stolz sein können.“

Dr. Annette Ludwig, Direktorin,
Tel. 06131 / 12 26 40, E-Mail: gutenberg-museum@stadt.mainz.de

Martina Illner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 06131 / 12 26 79, E-Mail: martina.illner@stadt.mainz.de

Mainz, den 26.08.2021
Dr. Annette Ludwig

 

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Ausstellung zu Braking News Making News und Faking News im Zeitungsmuseum in Wadgassen noch bis 31. Dezember 2021

Die Ausstellung Breaking News Making News Faking News im Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen widmet sich einem aktuellen Thema des öffentlichen Diskurses. Auch wenn der Untertitel, Von Gutenberg zu Trump. Eine medienkritische Ausstellung,  auf den ersten Blick überholt anmutet; dieser Eindruck täuscht. Die Ausstellung beleuchtet den Diskurs über die Presse aus historischer Perspektive, zeigt Kontinuitäten auf, legt aber einen besonderen Wert auf sprachliche Differenzierungen, die dabei helfen können, den aktuellen öffentlichen Diskurs über Pro und Kontra von Corona-Impfungen bis hin zu damit einhergehenden Verschwörungstheorien strukturierter zu begegnen.

Passend zu der historisch ausgerichteten Thematik gibt Dr. Harry Neß zwei Literaturempfehlungen und bespricht diese anschließend in diesem Blog-Beitrag.

1. Moritz Rauchhaus & Tobias Roth (Hrsg. u. Einf.): Feindflugblätter des Zweiten Weltkriegs. Verlag Das Kulturelle Gedächtnis. Berlin 2020. Preis: 28,00 EURO.

2. Roger Münch (Hrsg.): BREAKINGNEWSMAKINGNEWSFAKINGNEWS – Von Gutenberg zu Trump. Katalog des Deutschen Zeitungsmuseums. Wadgassen 2021. Bestellung: www.deutsches-zeitungsmuseum.de. Preis:  29,90 Euro plus 5,00 EURO Versand.

Von Flugblättern und Faking News

Das „Feindflugblatt“ ist kein Objekt von Nebenkriegsschauplätzen, sondern ist ein strategisch wichtiges Element der psychologischen Kriegsführung. Wie kaum eine andere Drucksache ist es ambivalent: Sein Besitz kann Leben retten, aber auch das Leben kosten.

Alleine 20.000 unterschiedliche Flugblätter, die im Zweiten Weltkrieg als Propaganda und als Passierscheine über feindliche Frontlinien hinweg zum Einsatz kamen, lassen sich in der Sammlung historischer Drucke der „Staatsbibliothek zu Berlin“ finden. Sie wurden meist in der Muttersprache der jeweils gegnerischen Kriegspartei verfasst, um den Feind zu motivieren, den Kampf aufzugeben. Teilweise wurden sie direkt an der Front verfasst, auf mitgeführten LKW’s und später in Eisenbahnwaggons im Hoch- oder Flachdruckverfahren gedruckt. Ihre Auflage in oft sechsstelliger Höhe wurde danach mit Verschussgeräten von Flugzeugen abgeworfen oder mit Granatwerfern über die feindlichen Stellungen hinweg gebracht.

In dem Buch „Feindflugblätter des Zeiten Weltkriegs“ wurden für eine exemplarische Sammlung 84 amerikanische, britische, deutsche, französische und sowjetische Flugblätter zusammengestellt, sorgfältig editiert und – wo nötig – übersetzt. Zu jeder Abbildung finden sich auf der Seite Angaben zu Absender und Empfänger, Abwurfdatum, Abwurfort, Abmessung, Auflage und jeweiliger Skalierung. Gegliedert ist das Werk des in Bildern gefassten Lügens und Grauens nach Themen wie beispielsweise Kapitulation, berühmte Autoren und Karikaturisten, Weiße Rose, Pin-up und Erotik, Popkultur und Antisemitismus. Ergänzt werden die ausgewählten Flugblätter von reproduzierten Schwarzweiß-Fotografien, die das Innere der Frontdruckereien, die Aktivitäten des Transports und des Abwurfs zeigen.

Um den historischen Hintergrund dieser tiefen Einblicke in die „Propagandamaschine“ zu vertiefen, sollte die Ausstellung „BREAKINGNEWSMAKINGNEWSFAKINGNEWS“ im Deutschen Zeitungsmuseum besucht bzw. der dazu gehörige Katalog in die Hand genommen werden. Er führt die Leser:innen an Beispielen und mit medienkritischen Fachaufsätzen in den geschichtlichen Entstehungskontext von Flugblättern bzw. der „Neuen Zeitungen“ ein, zum objektiven Zweck ihres Drucks beispielsweise in der frühen Neuzeit, der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges.

Ihr Erscheinen und ihre Verbreitung waren schon sehr früh von oftmals manipulativer Absicht geprägt. Das betraf den Bericht über politische und militärische Ereignisse, aber auch den über sensationelle Geschehnisse wie Naturkatastrophen, medizinischen Abnormitäten und Verbrechen. Hier herrschte auch eine Ambivalenz vor, die einer Handelsware: Allein käuferorientiert changieren die Flugblätter zwischen Unterhaltung und Information. Einer konsumorientierten Kontinuität zu der heute Aufmerksamkeit weckenden und Sensationslagen nutzenden Organe der Boulevardpresse, des Trash-TV und manchem Internetportal kann anhand der Ausstellung und des Katalogs gefolgt werden. Das museumsdidaktische kluge Konzept der über Epochengrenzen hinweg geradlinig vorgenommene Materialwahl der aufgenommenen Objekte und  ihre thematische Bearbeitung führt bis in die Gegenwart der neueren Zeitgeschichte, in der von Mediennutzern:innen kaum noch zwischen dargestellter Wirklichkeit, manipulativer Text- und Bildauswahl sowie der dahinter stehenden Wahrheit zu unterscheiden ist.

Beide Veröffentlichungen sollten zusammen gelesen werden, denn sie tragen aus unterschiedliche Perspektive dazu bei, dass der kritische und distanzierte Geist der Vernunft immer wieder fragt, wem nutzen die weitergegebenen Nachrichten und welchen Zwecken werden die dafür zum Einsatz kommenden Werkzeuge der Druck- und Medientechnik unterworfen.

 

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Mitgliederversammlung und Fachtagung des IADM 2021

Internationer Arbeitskreis Druck- und Mediengeschichte e.v.

IADM-Fachtagung und Mitgliederversammlung am 2. Oktober 2021 Online

zum Thema

Der Bucheinband : In seiner Geschichte und seiner zukünftig gestalterisch-technnologischen Entwicklung

Zeitraum der Fachtagung 10.00 Uhr bis 13:00 Uhr online

Beginn der Mitgliederversammlung: 14:30 online

Verlauf der Online-Fachtagung

Begrüßung

Dr. Harry Neß (Vorsitzender IADM)

Immaterielles Kulturerbe „Buchbinderhandwerk“ der UNESCO

Stefan Döring (Druck- und Medientechniker), Ingo Albrecht-Schoeck (Industriedesigner)

  • Beschreibung des UNESCO-Kulturerbes „Buchbinderhandwerk“.
  • Traditionelle Handwerkstechniken anhand von Einbandarbeiten.

Die Entwicklungswege des Bucheinbandes

Prof. Dr. Ernst Peter Biesalski, Peter Best (Studiendirektor a.D.)

  • Auswirkung neuer Technologien auf den Bucheinband.
  • Systematik und historische Entwicklung der Einbandformen.
  • Wiederverwendung traditioneller Einbandelemente anhand von aktuellen Bucheinbänden.

Beiträge des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zur Entwicklung des gedruckten Buches

Katharina Hesse (Geschäftsführerin „Stiftung Buchkunst“), Nora Bechler (Referentin Marktforschung)

  • Der Wettbewerb „Die schönsten Deutschen Bücher“ unter der besonderen Berücksichtigung des Bucheinbandes.
  • Neueste Erkenntnisse der Marktforschung zum Lese- und Kaufverhalten bei gedruckten Büchern und E-Books.

Anmeldung zur Tagung und zur Mitgliederversammlung bis zum 30. September 2021: entweder bei

roger230759@yahoo.de

oder 

harry.ness@druck-mediengeschichte.de  

Der notwendige Link für die Teilnahme an der Online-Jahrestagung des IADM wird an alle, die sich angemeldet haben, am 2.Okt., gegen 9.00 Uhr verschickt. (Wenn nötig, auch in den Spam-Ordner schauen.)

Wird Hilfe benötigt, bitte anrufen:

Peter Best: 0178 4351952

oder

Harry Neß: 01708654917

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Willkommen auf dem Blog des IADM e.V.

Internationaler Arbeitskreis Druck- und Mediengeschichte e.v.

Ziele und Zielgruppen

Der Blog Druck- und Mediengeschichte ist ein Blog des Internationalen Arbeitskreises Druck- und Mediengeschichte e.V. (IADM). Der Zweck des Vereins ist es, die Erforschung der Druck- und Mediengeschichte zu fördern.

Dieser Blog wendet sich an alle Medienschaffenden, grafischen und typografischen Druckkünstler*innen, Initiatoren von historischen Druckwerkstätten der Druckkunst, Druckhistorike*innen, Studierende im Bereich Medien, Mitarbeiter*innen in Druck- und Technikmuseen sowie an alle Interessierte der Druck- und Mediengeschichte.

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Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

Die analoge Typografie: Bleilettern mit Winkelhaken und Typometer

Gutenberg hat nicht den Druck erfunden; den beherrschten die Chinesen bereits 600 Jahre vor ihm. Gutenberg hat die Typografie erfunden und dazu zählt all das, was heute in modernen Lehrbüchern, etwas geschichtsvergessen, in Mikrotypografie und Makrotypografie unterteilt wird. Seit der Erfindung Gutenbergs hat sich ein typografisches Wissen akkumuliert, das kein Verfallsdatum kennt. Die Fonttechnologie wurde durch Fotosatz, Lichtsatz, Desktop Publishing (DTP) und Web-Publishing mehrmals revolutioniert, aber die analoge Typografie Gutenbergs hat in der Digitalität der Fonttechnologie weiterhin ihre Gültigkeit behalten. Durch Maß und Zahl wurden zwar die technischen Werkzeuge der Typografie revolutioniert, nicht aber ihre grundlegenden Parameter.

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Zwischen Morsecode und digitaler Fontetechnologie

Dieser mehrteilige Blog-Beitrag zur digitalen Fonttechnologie nimmt die Technik- und Kulturgeschichte der in Schriftform verfassten Medien in den Blick. Seit der Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg hat die Mechanisierung der Buchherstellung, des Drucks von Flugblättern und der ersten Zeitungen ein zunehmendes Verbreitungsbedürfnis von schriftlich verfassten Informationen evoziert. Mit der Entdeckung und technischen Nutzung der Elektrizität werden Erfindungen wie die der Telegrafie und der ersten digitalen Computer inspiriert. Die Telegrafie, das “Internet” zur Zeit Kaiser Wilhelms II., und die Erfindung des ersten digitalen Computers in den 40iger Jahren des 20. Jahrhunderts werden zu aller erst in der Produktionstechnik der Zeitungen virulent.

Die weltweite Globalisierung, Schriftcodierung und -digitalisierung macht in wenigen Jahrzehnten den einst nur für hochspezialisierte Fachkräfte handhabbaren Blei- und Fotosatz zu einer Technologie für jedermann. Digitale Fonttechnologie gehört im 21. Jahrhundert im privaten und beruflichen Alltag zu einer meist nicht hinterfragten Computeranwendung für alle. Die unterhalb von Tastatur und Bedienoberfläche der Textverarbeitungssoftware verborgene Codierungs-, Schreib- und Rechenkultur bleibt weitgehend unentdeckt. Sie sorgen als implementierte Hard- und Software in Tablet-Computern und Smartphones für die Schreibfunktion beim Eintippen und Versenden von Texten. Und das funktioniert ganz unabhängig davon, ob sich der User der technik- und kulturgeschichtlichen Genealogie seines Tablet-Computers oder Smartphones bewusst ist, oder eben nicht. Die Teile zu diesem Blog-Beitrag laden zur technik- und kulturgeschichtlichen Entdeckung der Genealogie der digitalen Fonttechnologie ein.

Teil 1: Die Elektrifizierung des Alphabets

Teil 2: Von der Schreibmaschine zum Fernschreiber

Teil 3: Lochstreifen und Perforator übernehmen das Kommando

Teil 4: Der Hellschreiber

Teil 5: Exkurs zur Genealogie der Schrift- und Rechenkultur

Teil 6: Typografie nach Augenmaß und Typomaß

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Zwischen Morsecode und digitaler Fonttechnologie Teil 5: Exkurs zur Genealogie der Schrift- und Rechenkultur

Unsere digitale Schreibkultur über Tablet und Smartphone basiert technik- und kulturgeschichtlich nicht nur auf der Genealogie des Schreibens, sondern auch des Rechnens. Ohne Rechenprozesse unterhalb der Bedienoberfläche von Tastatur und Textverarbeitungssoftware kann der geschriebene Text nicht auf dem Bildschirm erscheinen oder auf Papier ausgedruckt werden. Digitale Fonttechnologie hat sich historisch aus der Interferenz sowohl einer Schrift- als auch einer Rechenkultur entwickelt.

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Künstler des Vereins der Kulturbäckerei im Gutenberg-Museum

Die Kunst bleibt frei/Kunst bleibt Viele“: Jeweils fünf Kunst-Karten und eine Infokarte, aufgeklebt auf zwei Kiefer-Leimholzbretter, demonstrieren die Vielfältigkeit des freien künstlerischen Schaffens. (©Kulturbäckerei/Gutenberg-Museum)

Aus dem Fenster des Gutenberg-Museums
strahlt die Freiheit der Kunst

Der Druckladen des Gutenberg-Museum in Mainz zeigt zehn Karten von Künstlern des Vereins „Kulturbäckerei“. Das klingt nüchtern im Vergleich zum kreativen Namen des Vereins. Gleichwohl, der nachfolgende Appetizer des Gutenberg-Museums in Mainz macht Lust auf Kunst.

Auf einer Karte finden schwarze Pinselstriche zu einem irisierenden Muster zusammen. Von einer anderen schreit eine expressionistisch anmutende Fratze dem Betrachter ein verstörtes „Ach“ entgegen. Eine dritte hält mit fast brutaler Akribie fest, wie ein Blumenstrauß – ein zu Boden geschleuderter Brautstrauß? – vor in blankpolierten Business-Halbschuhen steckenden Männerfüßen liegt. Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die zehn Karten im DIN A5-Format, die zehn Künstler:innen für den Verein „Kulturbäckerei“ geschaffen haben. Ab Samstag, 8. Mai, stellt der Druckladen des Gutenberg-Museums in seinem Schaufenster in der Seilergasse unter dem Titel „Place of Cards“ zehn Tage lang eine Zusammenschau der Drucke aus. Zeitgleich sind die Kunstkarten, aufgeklebt auf zwei Kiefer-Leimholzbretter und ergänzt um eine Infokarte, an vier weiteren Kulturinstitutionen und fünf Plätzen in der Mainzer Neustadt zu sehen.

„Die Kunst bleibt frei/Kunst bleibt Viele“: Unter diesem Motto waren die Karten bereits vor rund einem Jahr für den Verein „Kulturbäckerei“ entstanden, der ein soziokulturelles Zentrum für die Neustadt schaffen will. Viele der beteiligten Künstler:innen, etwa die Mainzer Stadtdruckerin des Jahres 2012 Sandra Heinz oder Nikolas Hönig (Mainzer Stadtdrucker 2008), sind dem Gutenberg-Museum seit vielen Jahren verbunden.

Den Rahmen für die Karten-Aktion hatten die „Glänzenden Aktionstage“ des Bündnisses „der Vielen“ geboten. In diesem bundesweiten Zusammenschluss von Kulturschaffenden gegen Rechtspopulismus, für eine freie Vielfalt und Demokratie wirken sowohl das Gutenberg-Museum als auch die Kulturbäckerei mit. Coronabedingt waren die auf Karten gedruckten Plädoyers für die Freiheit der Kunst bisher jedoch lediglich auf der Website der „Kulturbäckerei“ zu sehen. Nun lässt sich das reale Erleben nachholen.

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